Neue Hits und alte Klassiker

- Wenn so genannte Alt-Stars auftreten, heben sie sich ihre Hits oft für die Zugaben auf, um ihr Pulver nicht vor der Zeit zu verschießen. Woodstock-Veteran Carlos Santana hingegen spielt bei seinem Konzert in Münchens ausverkaufter Olympiahalle "Jingo" zum Auftakt, eines seiner populärsten Stücke. Er kann es sich leisten, denn er gehört zu den wenigen Auserwählten seiner Musiker-Generation, die es heute noch regelmäßig schaffen, sich in den Charts zu platzieren.

<P>Santana muss also nicht haushalten und kann nach Belieben neue Hits und alte Klassiker mischen. Entsprechend aufgeräumt steht er mit seiner neunköpfigen Band auf der Bühne und versetzt das Publikum binnen kürzester Zeit in Ekstase. Diese unwiderstehliche Symbiose aus treibenden afrikanischen Rhythmen und lateinamerikanischen Klängen springt einen regelrecht an.<BR>Der Star gestaltet sein Konzert, ganz im Geist der 60er-Jahre, bewusst als Happening und blendet auf der Leinwand über der Bühne immer wieder tanzende Besucher ein. Sein Signal: Musik ist ein Gemeinschaftserlebnis.</P><P>Santana macht keine Show, er wird von seiner eigenen Musik mitgerissen. Sein Gitarrenspiel war womöglich noch nie so virtuos. Wie mühelos er diesen unverwechselbaren, schwebenden Klang erzeugt, ist nach wie vor ein Wunder. Seine Mitstreiter stehen ihm an Musikalität kaum nach. Und die Sänger Andy Vargas und Tony Lindsay sind eine Idealbesetzung. Besonders beeindruckend ist freilich die dreiköpfige Percussion-Abteilung, die mit energischem und doch leichtfüßigem Spiel den soliden Boden für jenen komplexen Sound liefert, den Santana und seine Mannen so Ehrfurcht erregend perfekt erzeugen.</P><P>Ein Meister der<BR>leisen Miniaturen</P><P>Am faszinierendsten ist es, wenn die Einpeitscher um Santana pausieren und der Meister mit leisen Miniaturen seine Vielseitigkeit demonstriert. Der schönste Moment kommt jedoch, wenn Santana seine Gitarre schweigen lässt und das Publikum daran erinnert, dass Frieden und Mitgefühl wichtiger seien, als Macht und Geld. Und dass wir alle nicht Mexikaner, Deutsche, Schweden oder Iren sind, sondern in erster Linie spirituelle Wesen. Ein Hauch von Woodstock: Der Mann ist sich treu geblieben -nicht nur musikalisch.<BR></P>

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