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Ein Theater muss die richtigen Fragen stellen (v.li.): Regisseur Abdullah Kenan Karaca, Kulturreferent Hans-Georg Küppers und Intendant Christian Stückl.

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Stückl inszeniert den "Sturm"

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Wer fragt, gewinnt: Intendant Christian Stückl stellt die neue Spielzeit am Münchner Volkstheater vor. Und will damit die richtigen Fragen stellen.

„Wer ist schuld?“, „Was wünscht sich die Gesellschaft?“, „Wie weit kann ein Mensch gehen?“ Fragen wie diese stellt das Münchner Volkstheater. Ob es Antworten gibt? Wohl eher nicht. „Die Aufgabe eines Theaters ist nicht unbedingt, Antworten zu geben, aber die richtigen Fragen zu stellen“, sagt Hans-Georg Küppers, Kulturreferent der Landeshauptstadt. Und das macht das Volkstheater in seinem Magazin „Volksmund“ und in der neuen Spielzeit.

Die beginnt mit Dea Lohers „Unschuld“ und damit am Meer, wo Fadoul und Eliso auf der Suche nach Freiheit sind. Doch statt die zu finden, beobachten sie, wie eine junge Frau ins Wasser geht, um zu sterben. Hätten Fadoul und Eliso die Frau aufhalten sollen? „Die Figuren stellen sich die Frage nach Schuld und Unschuld“, erklärt Dramaturgin Caroline Schlockwerder in der Pressekonferenz stellvertretend für Regisseurin Lilja Rupprecht. Letztere probt nämlich für die Premiere am 22. September.

Abdullah Kenan Karaca hat sich „Medea“ von Euripides ausgesucht. „Das kennt jeder in verschiedenen Ausformungen“, sagt Karaca. Er selbst habe das Stück ziemlich früh für sich entdeckt. „Ich habe mich in der letzten Spielzeit schon mit drei starken Frauenfiguren beschäftigt.“ Jetzt sei es Zeit für Medea: eine, die ihr eigenes Schicksal, ihre eigene Geschichte mitbringt, die in der Gesellschaft aneckt. Und die Frage aufwirft: Wie weit kann ein Mensch gehen?

Zuvor nimmt sich Christian Stückl mit „Der Sturm“ von William Shakespeare ebenfalls einen Klassiker vor. Trotzdem sei seine Fantasie ganz frei dafür, meint der Intendant. „Ich habe es ein einziges Mal vor Jahren gesehen.“ Allerdings werde es einen sehr jungen Prospero geben, und der altersmäßige Unterschied zu dessen Tochter werde gering sein – das Ensemble des Volkstheaters ist eben ziemlich jung.

Hier gibt es drei Neuzugänge: Pola Jane O’Mara, Julia Richter und Timocin Ziegler. Paul Behren verlässt die Brienner Straße, obwohl er nicht lange Mitglied des Ensembles war. „Er hat ein Angebot vom Schauspielhaus Hamburg bekommen“, sagt Stückl.

Auf „Sturm“ und „Medea“ folgt „Das Schloss“ nach Franz Kafka. Da beantwortet Stückl eine Frage, bevor sie überhaupt gestellt werden kann: „Wir gehen nicht zu den gelben Heftln zurück, überhaupt nicht.“ Werke, die jeder Schüler aus Reclam-Ausgaben kennt, hätten in der vergangenen Spielzeit nämlich weitgehend gefehlt, obwohl Stückl mal gesagt wurde, dass mindestens zwei auf dem Spielplan stehen müssten. Ihm sei aber wichtig, dass seine Regisseure selbst die Geschichten wählen, die sie erzählen wollen. Mit Erfolg: Die Auslastung lag in der vergangenen Spielzeit bei rund 85 Prozent. Stückl: „Die Leute sind bereit, vieles mitzugehen.“

Auch Experimente, deswegen soll es wieder eine Inszenierung des indischen Regisseurs Sankar Venkateswaran geben – obwohl „Tage der Dunkelheit“ auf geteilte Meinungen stieß. Was Venkateswaran plant, weiß Stückl allerdings noch nicht. Das will er nach seiner eigenen Inszenierung in Indien klären. Eine weitere Frage in seinem Spielplan ist offen. Stückl würde nämlich gerne „Der IS und die Fehler des Westens“ nach dem Buch von Nicolas Hénin auf die Bühne bringen. Dazu fehlen ihm allerdings noch die Rechte.

Alle Termine finden Sie auf www.muenchner-volkstheater.de.

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