Das neue Stück der Nobelpreisträgerin

München - Was bringt die nächste Spielzeit? Intendant Frank Baumbauer präsentierte die Premierenpläne der Saison 2008/ 09.

Nichts Neues wird verraten, bevor nicht kurz Rückschau aufs Alte gehalten wird, also auf die laufende, am 26. Juli zu Ende gehende Saison. Man lobt sich selbst, wie das so üblich ist. Frank Baumbauer: "Für uns war's eine gute Spielzeit. Bis Ende Juli werden wir knapp 500 Veranstaltungen gezeigt haben, davon 40 auswärtige Vorstellungen an 20 Orten." Ende Juli wird man in München insgesamt 160 000 Zuschauer zählen können, und die Platzausnutzung wird sich um die 75 Prozent einpendeln. Dass das Schauspielhaus allein in diesem Monat planmäßig an fünf Abenden geschlossen bleibt, das scheint offenbar nicht so gravierend ins Gewicht zu fallen.

So viel zur Gegenwart, hier nun der Blick in die Zukunft. Was bietet Baumbauer in seiner letzten Spielzeit dem Publikum? Insgesamt - also Schauspielhaus, Werkraum und Neues Haus - 15 Premieren. Davon vor allem - und das verdient jeglichen Respekt - Zeitgenössisches. Die Saison 2008/ 09 wird das Jahr der Uraufführungen. Und der gewichtigste Posten dabei ist die Premiere "Rechnitz (Der Würgeengel)" von Elfriede Jelinek.

Darin widmet sich die Literaturnobelpreisträgerin der ungeheuren Tatsache, dass im März 1945 während einer Orgie von SS-Größen, Gestapo-Funktionären und Naziführern im Schloss der Gräfin Margit von Batthyány, einer Thyssen-Enkelin, 200 jüdische Zwangsarbeiter zum Zwecke der nächtlichen Unterhaltung von den Gästen liquidiert wurden. Die Gastgeberin und Initiatorin der Mordnacht von Rechnitz (an der ungarischen Grenze) starb unbehelligt 1989 als Pferdezüchterin in der Schweiz.

Darüber hinaus gibt es die Uraufführung eines "Singspiels" von Händl Klaus, das sich mit Pädophilie auseinandersetzt, sowie erstmals gespielte Stückfassungen von Prosa und Film: Franz Kafkas "Der Prozess" als Bühnenstück eröffnet im September die Spielzeit, und mit "Drei Farben: Blau, Weiß, Rot" erfolgt abermals die Umwandlung eines Kinostoffes von Krzysztof Kieslowski zum Drama. Den klassischen Bereich decken "Maß für Maß" von Shakespeare und Kleists "Käthchen" ab.

Dass Baumbauer Juli 2009 die Kammerspiele verlässt, darüber will er eigentlich gar nicht sprechen; denn es sei kein Wechsel, sondern "ein Übergang zu Freunden". Da mag er, ein bisschen schöngeredet, Recht haben, was das Übergangsjahr betrifft. Der designierte Intendant Johan Simons wird 2010 schon seine eigenen Pflöcke einschlagen.

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