Den neuen Star entdecken

- Er wolle nicht versuchen, neue Visionen zu realisieren, sondern Aufgabe sei es, trotz reduzierter Mittel das in den letzten fünf Jahren erreichte Niveau halten zu können. Axel Linstädt, Musikchef des BR und seit diesem Jahr auch Künstlerischer Leiter des Internationalen Musikwettbewerbs der ARD, gibt sich ganz bescheiden. Nicht sich will er im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit sehen, sondern die 178 jungen Künstler aus 32 Ländern.

Von heute an bewerben sie sich in ihrem Fach um die ersten drei Preise. Denn sie sind sozusagen die Eintrittskarte in eine internationale Karriere.

Auf dem Wettbewerbsprogramm stehen heuer folgende Fächer: Gesang - erstmals unterteilt in Konzert/ Lied und Oper, Klavier sowie Bläserquintette. Änderungen gegenüber den Vorjahren gibt es auch im Bewertungssystem: In der ersten Runde wird allein mit "ja" oder "nein" übers Weiterkommen entschieden; in der zweiten gibt es Punkte - Höchstzahl 25, gebraucht werden mindestens 18, um weiter zu kommen. Beim Semifinale und beim Finale geben dann Rangziffern zwischen eins und sechs den Ausschlag. Die Jurys sind hochkarätig besetzt. Im Fach Gesang entscheiden u. a. die Sängerinnen und Sänger Edith Wiens, Julia Varady, Francisco Araiza und Theo Adam über das Abschneiden der Kandidaten. Oleg Maisenberg und Elisso Wirssaladze gehören zur neunköpfigen Jury, die über den Wettbewerb der Pianisten befindet. Wohl stellvertretend für alle Juroren betont Edith Wiens den hohen Stellenwert des ARD-Musikwettbewerbs: "Er ist ein Berufsöffner." Sie muss es wissen, denn vor 26 Jahren war sie selbst nach München gekommen - um im Fach Gesang den zweiten Preis zu gewinnen.

Heute beginnt das Rennen

Um etwa ein Drittel wurden die Zuwendungen der ARD für den Wettbewerb gekürzt. Das heißt: von 1,1 Millionen auf 750 000 Euro. Dennoch den Standard halten: Das wurde nur möglich u. a. dadurch, dass manches aus dem Kanon der ARD-Finanzierung herausgelöst und dem BR allein übertragen wurde. Hinzu kommt, dass die Preisgelder um 20 Prozent geringer sind. Außerdem soll heuer der Abschlussempfang extrem spartanisch ausfallen, was leicht zu verschmerzen ist.

Hörfunkdirektor Johannes Grotzky ist bei all dem froh und zuversichtlich, denn die Zeit, da im ARD-Senderverbund der BR zeitweise eine "ziemlich singuläre Rolle" gespielt habe, als es darum ging, den Musikwettbewerb zu retten, scheint überwunden. Die einzige Schwierigkeit hat dem Organisationsteam um Ingeborg Krause der Papstbesuch bereitet. Die Anfangszeiten am 9. September fürs Finale Gesang mussten deutlich vorverlegt werden - auf 11 und 13 Uhr; am 10. September das Klavier-Finale auf 15 Uhr.

Wie in all den Jahren zuvor findet auch dieser 55. ARD-Musikwettbewerb öffentlich statt. Das bedeutet, alle Vorrunden sind bei freiem Eintritt für Publikum zugänglich. Für alle anderen Veranstaltungen wie Semifinale und Finale gibt es Karten über München Ticket (Tel. 54 81 81 81). Wer dabei sein will, wie ein neuer Star entdeckt wird, sollte sich diesen Wettbewerb nicht entgehen lassen. Zur illustren Sieger-Liste der vergangenen Jahre gehören u. a. Pianist Christoph Eschenbach sowie die Sänger Thomas Quasthoff, Jessye Norman und, 1960, Iwan Rebroff.

Wettbewerbsprogramm heute: Gesang - Konzert/Lied: 11. 20 und 16 Uhr, Hochschule für Musik und Theater München; Klavier: 14 und 16 Uhr, Carl-Orff-Saal im Gasteig. Infos: www.ard-musikwettbewerb.de.

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