Neuer Dickwanst

- Am bühnengroßen Wirtshaustisch im Gasthof "Zum Hosenbande" hat ein neuer Dickwanst Platz genommen: Nach Bernd Weikl und Bryn Terfel hat sich nun Alan Titus den Bauch des dicken Sir John umgeschnallt, um als Titelheld in Giuseppe Verdis "Falstaff" das Publikum im Münchner Nationaltheater zu amüsieren. Er tat es am Donnerstagabend Eike Gramss' Inszenierung entsprechend auf dezente, aber durchaus verschmitzte Weise.

<P>Titus' stimmlich wohl ausstaffierter, dicker Ritter blähte sich nicht philosophisch, sondern tänzelte als komischer, selbstverliebter Gockel den Windsorer Damen entgegen. Dabei büßte er seine Würde, die ihm auch als heruntergekommenem Adelsspross noch im blauen Blut liegt, keineswegs ein.</P><P><BR>Als Anführerin der lustigen Weiber von Windsor trumpfte Adrianne Pieczonkas temperamentvolle (Premieren-)Alice stimmlich und darstellerisch souverän auf. In Ann Kathrin Naidu als neuer Meg Page hat sie eine fesche, präsente Partnerin gefunden. Jane Henschel genoss im schrillen Outfit der Mrs. Quickly ihre Botenrolle und orgelte Falstaff "Reverenza" entgegen. Rebecca Evans erlöste Nannetta, die eigentliche Siegerin des Trubels, zwar nicht aus der szenischen Unbedarftheit; aber sie gönnte ihrem Liebesglück mit dem liebenswürdig-linkischen Fenton von Rainer Trost zarten-silbernen Sopranschimmer. Lucio Gallo präsentierte sich als eifersüchtiger Ford weiterhin in bester Form. Dem kugeligen Anthony Mee als Bardolfo gesellte sich mit Mario Luperis hagerem Pistola ein komisches Pendant zu.</P><P><BR>Offenbar noch "Walküren"-beflügelt legte Zubin Mehta mit dem Staatsorchester lautstark und reichlich grob los, jagte über die Feinheiten hinweg und erntete in den Ensembles manche Ungenauigkeiten. Schade, dass erst im Schlussakt differenziertere Töne hörbar wurden. Trotzdem freudig-animierter Applaus.</P>

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