Im Jahr 2021 könnte das erste Klassikkonzert auf dem ehemaligen Pfanni-Gelände unweit des Münchner Ostbahnhofs stattfinden. Dort will die Staatsregierung einen neuen Konzertsaal realisieren. Foto: Matthias Balk/ dpa

Politische Machtfrage

Neuer Konzertsaal: Widerstand gegen das Werksviertel

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München - CSU-Abgeordnete legen der Staatsregierung einen Fragenkatalog vor. Sie kritisieren den Standort auf dem ehemaligem Pfanni-Gelände - "wir brauchen mehr als einen Hinterhofkonzertsaal". 

Man sieht sich immer mehrfach im Leben: Aus der CSU-Fraktion im Landtag kommt ein überraschender neuer Anlauf, die Münchner Konzertsaal-Entscheidung der CSU-geführten Staatsregierung zu untergraben. Mehrere Abgeordnete haben einen detaillierten Fragenkatalog erarbeitet, dessen Beantwortung sie von den beteiligten Ministerien verlangen. Das verlautet aus Regierungskreisen. Die 29 Fragen, die unserer Zeitung vorliegen, lassen erkennen, dass sich die Abgeordneten unzureichend informiert fühlen.

Im Zentrum des Papiers steht der Vergleich der beiden Standorte, auf die sich die Debatte im Herbst 2015 zugespitzt hatte: die Paketposthalle im Münchner Westen und das Werksviertel hinterm Ostbahnhof. Wie berichtet, hatte sich das Kabinett Anfang Dezember auf das ehemalige Pfanni-Gelände als Standort für den Musentempel verständigt – was nicht allen CSU-Abgeordneten gefiel. „Gerade wenn ganz Bayern profitieren soll, brauchen wir mehr als einen Hinterhofkonzertsaal“, heißt es im Fragenkatalog. Dieser soll nun vor allem klären, wie es zu der in den Augen der Fragesteller unterschiedlichen Bewertung der Standorte kommen konnte – bezogen etwa auf die Nachbarschaft: „Dass am Paketposthallen-Gelände Wohnbebauung angrenzt, wird negativ bewertet, bleibt aber am Werksviertel ohne Berücksichtigung; und dies, obwohl sogar angedacht wird, auf dem Konzertsaal noch weitere Wohnungen zu bauen.“

Staatsregierung soll "konkretes Raumprogramm" zeigen

Ein weiterer Punkt ist die Außenwirkung: „Warum wertet die Staatsregierung den hohen Werbeeffekt einer in Europa solitären Konzertsaalerscheinung, wie sie mit der Paketposthalle entwickelt werden könnte, nicht höher?“, lautet Frage 13. Hier könne ein „einmaliges Wahrzeichen für die Anreisenden mit der Bahn“ entstehen. Andere Fragen gehen in planerische Details: So wird die Staatsregierung aufgefordert, anhand eines „konkreten Raumprogramms“ zu zeigen, wie die Musikhochschule im Werksviertel integriert werden soll. Außerdem fordern die Politiker eine „transparente Aufstellung und Gegenüberstellung der gesamten Kosten“ beider Standorte.

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Hintergrund für diesen Katalog ist eine politische Machtfrage. Die CSU-Fraktion, in der Befürworter und Gegner des Werksviertels vertreten sind, wollte über den optimalen Standort heuer in Ruhe beraten. Anfang Dezember hatte die Staatsregierung aber im Ministerrat eine Entscheidung fürs Werksviertel herbeigeführt. Kultusminister Ludwig Spaenle machte klar, dass dies ein letztgültiges Votum sei: „Eine Grundsatzentscheidung, die den Diskussionsprozess beendet.“

Unter manchen Abgeordneten, vor allem den Kulturpolitikern und den Fans der Paketposthalle, hatte das für Zorn gesorgt. Nun ist die Staatsregierung aufgefordert, die Fragen zu beantworten. Man bemühe sich, heißt es dort. Am Dienstag tagen die für Wissenschaft zuständigen Abgeordneten gemeinsam mit den Finanzpolitikern und erwarten die Antworten aus den Ministerien.

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