Neuer Mann fürs Staatsschauspiel

Martin Kusej: - Wer wird in Zukunft das Bayerische Staatsschauspiel führen? Gestern präsentierten Kunstminister Thomas Goppel und Intendant Dieter Dorn den Mann, der ab 2011 an der Spitze des Residenztheaters stehen wird: Regisseur Martin Kusej.

Am Schluss sagte er, was er vermutlich schon immer einmal sagen wollte: Sein Name spreche sich Kuschej aus, und er bestehe darauf, dass der auch in den Zeitungen mit dem richtigen Akzent, dem Hatscheck, also Kusej, geschrieben werde. So setzte der Mann aus Österreich in München schon mal den erste Akzent.

In weiter Voraussicht wurde Martin Kusej (46) als Nachfolger von Dieter Dorn (71) berufen. Kusej, so Goppel, war der Wunschkandidat Dorns und des Staatsschauspiel-Ensembles. Mit sichtbarer Genugtuung, dass diese Kür so einvernehmlich über die Bühne ging, verwies Dorn darauf, dass diese Berufung nichts mit dem üblichen Intendantenkarussell zu tun habe, sondern die Frucht einer langen Arbeit gewesen sei. Die Übergabe erfolge so, "wie wir es uns für dieses Haus vorstellen".

Doch bis dahin dauert es noch ein Weilchen. Der Vertrag Dieter Dorns, der 2009 ausläuft, wurde soeben bis 2011 verlängert. Im Herbst 2011 tritt dann mit einem Fünfjahresvertrag Martin Kusej sein Münchner Intendantenamt an.

Thomas Goppel: Man habe vereinbart, dass die zusätzlichen zwei Jahre Dorns "vor allem dazu genutzt werden sollen, zusammen mit dem Nachfolger das großartige Ensemble des Bayerischen Staatsschauspiels behutsam weiterzuentwickeln". Kusej steht für die prononcierte Arbeit mit Schauspielern. Die Zuschauer können sich demnächst davon überzeugen; denn am 21. Juni hat seine Inszenierung von Büchners "Woyzeck" im Residenztheater Premiere. In den vergangenen Jahren war immer wieder im nahen Salzburg zur Festspielzeit die künstlerische Handschrift des Zukünftigen zu erleben. Mit "König Ottokars Glück und Ende" sowie "Höllenangst" hat Kusej sich sein Münchner Entree inszeniert.

München, sagt er, sei für ihn doch irgendwie ein magischer Ort. 1979 habe er hier studiert und zum Geldverdienen bei der Wach- und Schließgesellschaft gearbeitet. 1992 stellte er sich schon einmal am Residenztheater als Regisseur vor. Das war noch bei Intendant Günther Beelitz, einem "der vielen, die für sich reklamieren, mich entdeckt zu haben".

Dieter Dorn habe er erst viel später kennengelernt: "In einem Restaurant in Salzburg, wo ihn und seinen besten Anzug ein Ober mit Getränken und Essen überschüttete. Das war der Beginn unserer Freundschaft."

Bis zum Amtsantritt hat Kusej noch vier Jahre Zeit. Also werde er jetzt noch "keine tollen Konzepte und Veränderungen vorlegen. Ich werde neben Dorn nicht sagen, was man alles verändern muss; dazu kommt‘s schon noch, allerdings später."

Dorn: "Wir werden ab 2009 gemeinsam versuchen, den Übergang vorzubereiten. Aber wir werden uns nicht gegenseitig in die künstlerische Arbeit hineinreden." Und Kusej ergänzt: "Ich werde hier kein Schattendasein führen und auch nicht der Hausregisseur sein." Dennoch wird‘s nach "Woyzeck" eine weitere Arbeit am Residenztheater geben. Zunächst aber nimmt Kusej ein Jahr lang eine Auszeit. Danach wird er in der großen Welt ein paar Opern inszenieren. "Ab 2009 werde ich dann ein bisschen hier sein, ab 2010 sicherlich mehr. Ab 2011 habe ich vor, mich hauptsächlich auf München zu konzentrieren."

Dass er sich dann hier in unmittelbarer Nachbarschaft mit dem Österreicher Klaus Bachler, ab 2008 Intendant der Bayerischen Staatsoper, und mit Klaus Zehelein, dem Präsidenten der Theaterakademie, befindet, mag mit ausschlaggebend gewesen sein für Kusejs Entscheidung: "Eine stoßträchtige, theatralische Dreier-Konstellation. Ich habe von beiden - am Wiener Burgtheater sowie an der Oper Stuttgart - sehr viel gelernt."

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