Neuer Weiberheld

- Ein neuer Mann im Schottenrock inmitten geballter Frauenpower, so steht Paolo Gavanelli als Falstaff an der Bayerischen Staatsoper da. Das Münchner Publikum kennt den Bariton bereits in verschiedenen Verdi-Rollen und darf ihn nun als dicken, lebenslustigen Säufer und Weiberhelden erleben.

Zu Anfang scheint Gavanelli das Laute und Polternde seiner Partie noch nicht gefunden zu haben, doch schon bald ist er mit dem umfangreichen Schaumstoffbauch des Falstaff verwachsen. Wüst schimpfend und mit Hohlkreuz schiebt er diesen vor sich her, während er zu Beginn des dritten Akts aus dem Wasser steigt: "Alles geht den Bach hinunter!" Bei einem warmen Glühwein zerfließt er daraufhin in Selbstmitleid, eine Pose, die Gavanelli herrlich beherrscht. Er kann seine Stimme aufs Feinste nuancieren und Gefühle hervorzaubern, die über das hinausgehen, was in der Partitur steht.<BR><BR>Aber auch die wild gewordene Frauenschar hat handfeste Verstärkung bekommen. Anja Harteros gibt Alice Ford als spritzige Kleinbürgerin mit einer klaren, voluminösen Stimme, die geschmeidig den musikalischen Spott aufnimmt, dabei aber nie ins Gekünstelte verfällt. Mit ihr amüsieren sich Marjana Lipovsek als rabiat-charmante bis durchtriebene Quickly und Ann-Katrin Naidu als kecke Meg Page über Falstaff und den eifersüchtigen Ehemann Ford, dessen nicht ganz einfache Rolle Lucio Gallo souverän präsentiert. Chen Reiss singt die Arie der als Elfenkönigin verkleideten Nanetta stimmungsvoll und mit transparenter Schönheit.<BR><BR>Das Bayerische Staatsorchester unter Leitung von Zubin Mehta glänzt mit Verdis humorvoller Instrumentierung, einige Male überrascht Mehta Sänger und Chor aber doch mit den Tempi. Und das Publikum zeigt beim Applaus deutlich, dass Paolo Gavanelli im Falstaff-Schottenrock eine hervorragende Figur macht.<BR>

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