Lebensgefährte Lindenberg: Der 64-Jährige lernte 1993 die Fotografin Tine Acke (33) in Hamburg kennen.

Neuerscheinung - „Der Greis ist heiß“

München - Der Mann war komplett weg: Musikalisch wollte nichts gelingen, und mit Sonnenbrille, Hut sowie Dauernuscheln war er nur noch eine Witzfigur. Dann aber veröffentlichte Udo Lindenberg das Album „Stark wie Zwei": Es wurde ein Comeback, das er sich wohl selbst kaum zugetraut hatte.

Seit „Stark wie Zwei“ im März 2008 in die Läden kam, wurde das Album rund eine halbe Million Mal verkauft. Mit dieser Platte erreichte der Deutschrocker erstmals eine neue Generation Zuhörer, die 1973, als Udo Lindenberg mit „Andrea Doria“ den Durchbruch feierte, noch gar nicht geboren war. Das liegt sicher auch daran, dass der 64-Jährige hier gemeinsam mit Künstlern wie Stefanie Kloß (25) von Silbermond, Helge Schneider (55) oder Jan Delay (34) singt. Doch „Stark wie Zwei“ gefiel zugleich jenen, die Lindenberg seit seinem Debüt 1970 treu sind. Da überrascht es auch nicht, dass die anschließende Tournee ausverkauft war.

Stil-Ikone Lindenberg: Der Sänger in Mantel, mit Hut und Sonnenbrille nachts in der Hamburger Speicherstadt.

Tine Acke, Fotografin und Lebensgefährtin Lindenbergs, hat die vergangenen drei Jahre dokumentiert, von den ersten Ideen zur Platte bis zur Tour durch Deutschland. Ihr Bildband ist jetzt erschienen. Der 33 Jahre alten „Königin des Observatoriums“, wie Lindenberg seine Freundin nennt, ist ein Rundum-Blick der Musikfotografie geglückt: Studioaufnahmen, Porträts, Beobachtungen bei Videodrehs, Konzert- und Backstage-Bilder sind in dem Buch versammelt, Songtexte und Interviews runden es ab. Das alles vermittelt vor allem einen Eindruck: „Der Greis ist heiß“ - wie eben auch ein Lied auf „Stark wie Zwei“ heißt. Und es scheint, als setze sich das Comeback des Udo Lindenberg im nächsten Jahr fort: Am 13. Januar soll sein Musical „Hinterm Horizont“ in Berlin uraufgeführt werden. Ein „Stück deutsch-deutsche Geschichte und die Geschichte einer verbotenen Liebe - getrennt durch den Eisernen Vorhang“, verrät der Musiker über die Produktion, bei der er von drei Darstellern unterschiedlichen Alters gespielt werden wird.

Der Bildband hat 312 Seiten, ist im Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf erschienen und kostet 49,95 Euro.

Tine Ackes Buch mit gut 400 Fotografien setzt indes kurz vor dem Erfolg ein, an jener Stelle, „wo alle Abgründe aufhören, wo endlich wieder Licht am Ende des Tunnels zu sehen ist, wo die Achterbahn losfährt und zu ihrem großen Höhenflug ansetzt“, wie sie erklärt. Der Bildband ist ein Denkmal: für die Kunstfigur Udo Lindenberg und den - so überraschenden wie verdienten - „Stark wie Zwei“-Erfolg. Wie jedoch der Mensch hinter der Rolle des Panikrockers die vergangenen Jahre erlebt hat, davon ist hier nichts zu erfahren. Die Sonnenbrille bleibt blickdicht, die Hutkrempe tief in die Stirn gezogen.

Michael Schleicher

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