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Am 22. April 1935 aß Hitler Kuchen beim „Gschwandtnerbauer“ in Garmisch – davon zeugt laut dem Historiker Harald Sandner dieses Foto.

Neuerscheinung

Hitler Tag für Tag - Eine Chronologie aller Aufenthaltsorte des Diktators

Unter dem Titel „Hitler. Das Itinerar“ hat der Coburger Freizeithistoriker Harald Sandner ein Register veröffentlicht, wo sich Hitler in den 56 Jahren und zehn Tagen seines Lebens aufgehalten hat.

Schreib was über Hitler – das geht immer. Das ist unter Historikern eine Binsenweisheit. Eben erst hat das Institut für Zeitgeschichte mit der Edition „Mein Kampf“ Platz eins der Spiegel-Bestsellerliste gestürmt (bisher 43.000 verkaufte Exemplare), da kommt der nächste Hitler ins Buchregal: Unter dem merkwürdigen Titel „Hitler. Das Itinerar“ hat der Coburger Freizeithistoriker Harald Sandner ein Register veröffentlicht, wo sich Hitler in den 56 Jahren und zehn Tagen seines Lebens aufgehalten hat. Itinerar bedeutet: Reise- und Stationenverzeichnis, und tatsächlich hatte Sandner den Ehrgeiz, Hitler Tag für Tag auf Schritt und Tritt zu dokumentieren.

Imposant ist zunächst die äußere Erscheinungsform des Werkes: Es hat 2432 Seiten, 2211 Abbildungen und kostet – kein Tippfehler – stolze 399 Euro, mit einer CD sogar 499 Euro. Wer soll das kaufen? Wahrscheinlich spekuliert der Berliner Story-Verlag, der Sandners Werk herausgebracht hat, auf Bibliotheken. Inhaltlich wäre zu fragen, ob Sandners Werk den Aufwand lohnt. Und da muss man doch Abstriche machen.

Gewiss, der Coburger Forscher, der im Hauptberuf als Speditionskaufmann bei DB Schenker arbeitet, weist in seinem Vorwort auf allerlei Ungenauigkeiten diverser Historiker und Hitler-Biographen hin. Fehler, Lücken und Irrtümer hätten sich in die Historiographie eingeschlichen und tradiert. So behauptete ein Historiker, Hitler habe sich in keiner Stadt außer Berlin, München und Nürnberg so oft aufgehalten wie in Hamburg – gezählt wurde das selbstverständlich nie. Eine Historikerin, die sich Hitlers Lebensgefährtin Eva Braun angenommen hatte, schrieb wiederum, Hitler habe die Hälfte seiner Zeit in München verbracht – der Nachweis fehlt. Es gibt Fehler im Detail, etwa, dass sich Hitler am 20. und 21. Dezember 1944 in Weimar aufgehalten habe – während er doch in Wahrheit im Führerhauptquartier „Adlerhorst“ war. Und so weiter ... „Oft sind es nur Kleinigkeiten“, sagt Sandner, „aber die Genauigkeit zählt.“ Zum Beispiel heiße es oft, Hitler sei nach Weimar geflogen. Das stimmt so nicht, sagt Sandner. Denn Weimar hatte gar keinen Flugplatz – Hitler landete stets im nahen Nohra.

Für den jungen Hitler bis 1914 listet Sandner die Aufenthaltsorte nach Monaten auf, für die Zeit danach hatte er den Ehrgeiz, Tag für Tag zu dokumentieren. Auch für Oberbayern gebe es viele neue Details, sagt er. Beispiel Garmisch: So dokumentiert er, dass Hitler bereits am 10. Mai 1919 – also kurz nach Niederschlagung der Räterepublik in München und weit vor Hitlers Eintritt in die DAP/NSDAP – in Garmisch das Eintreffen der Freikorps Werdenfels beobachtet habe. 1930 zeichnete Hitler die Kirche zu Hammersbach bei Garmisch. Und am 22. April 1935 machte er mit Eva Braun einen Ausflug zum Gasthaus Gschwandtnerbauer.

5. September 1937: Adolf Hitler am Hauseingang zu seiner Wohnung am Prinzregentenplatz 16, München.

Etliche Kreisstädte tauchen in seinem Werk auf – Starnberg 18 Mal, Weilheim zehn Mal und Freising 23 Mal. Fürstenfeldbruck kommt gleich 83 Mal vor, obwohl bisher kein einziger Aufenthalt Hitlers in „FFB“ dokumentiert war. Doch eine lokalhistorische Sensation ist die häufige Erwähnung von Fürstenfeldbruck und die vieler weiterer Städte nicht. Bei den „Aufenthalten“ handelt es sich um bloße Durchfahrten, die damals kein Aufsehen erregten. In gewisser Weise sind die Ortsnennungen auch problematisch, denn häufig kann Sandner keinen Beleg dafür nennen. Wie kommt er dann dazu? Ein Beispiel ist die erste Durchfahrt Hitlers durch Fürstenfeldbruck, aufgelistet am 17. Dezember 1920. Sandner erschließt sich das, weil er weiß, dass Hitler an diesem Tag zuerst in München war, später dann in Augsburg. Und er weiß, das Hitler von München nach Augsburg mit dem Auto gefahren ist. Folglich führt er alle Orte auf, die auf der Straße dazwischenliegen: Pasing, Germering, Fürstenfeldbruck, Mammendorf, Althegnenberg, Mering.

Ähnlich macht er es mit den häufigen Reisen Hitlers auf den Obersalzberg – Ainring, Piding, Bad Reichenhall und noch ein paar andere Orte werden aufgelistet. Dutzende Male, für jede Reise aufs Neue. So kann man natürlich auch Bücher füllen.

Kritisch anzumerken ist, dass Sandners Werk den wissenschaftlichen Anforderungen in einem wichtigen Punkt nicht genügt. Denn er verzichtet komplett auf Anmerkungen, listet lediglich summarisch die benutzten Archive auf, ohne die einzelnen gesichteten Akten aufzuführen, wie es eigentlich Standard wäre. Das wäre lohnender gewesen, als ein Exkurs über den Verbleib der Leiche Hitlers, der das Werk abrunden soll.

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