Chaos auf der Stammstrecke: Deswegen verspäten sich die S-Bahnen mehr als 40 Minuten

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Einen ersten Eindruck von den Live-Qualitäten der neuen Metallica-Stücke durfte sich das Studiopublikum der Fernsehshow „Circus Halligalli“ machen, in der James Hetfield (Mi.) und seine Kollegen einige Titel vorstellten. Die Aufzeichnung wird am Montag auf Pro Sieben ausgestrahlt.

Neuerscheinung „Hardwired... To Self-Destruct“

So klingt Metallicas neues Album

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Die Zeit der Experimente ist vorbei. Mit ihrem zehnten Album „Hardwired... To Self-Destruct“ setzen Metallica auf bewährte Klänge aus drei Jahrzehnten Bandgeschichte. Erstaunlicherweise funktioniert die Retrospektive: So gut klang die größte Metalband der Welt seit 20 Jahren nicht mehr.

Ganze acht Jahre haben Hetfield, Ulrich und Konsorten ihre Fans warten lassen. Acht Jahre, in denen sich die Metallica-Jünger mit der mittelmäßigen jüngsten Platte „Death Magnetic“ (2008) trösten mussten. Acht Jahre, in denen eine schwer erträgliche Lou-Reed-Kollaboration und ein halbgarer Kinofilm entstanden, während Metallica unter lautem PR-Geheul um den Globus tourten und dabei sogar in der Antarktis ein pinguinfreundliches Kopfhörer-Konzert gaben. Genug gewartet. Heute erscheint mit „Hardwired... To Self-Destruct“ ihr zehntes Studioalbum. Die erlösende Botschaft: Es ist ziemlich gut geworden.

Auf zwei CDs mit je sechs Songs besinnt sich die bekannteste Metalband der Welt auf das, was sie groß gemacht hat: hämmernde Riff-Gewitter, treibende Drums und abrupte Tempowechsel. CD eins ist die homogenere. Lediglich die erste Single „Hardwired“ fällt aus dem Rahmen. Weil die Nummer mit drei Minuten die mit Abstand kürzeste des Albums ist. Und weil sich die Herren beim Text allzu wenig Mühe gegeben haben. Aber für philosophischen Tiefgang war James Hetfield ohnehin nicht bekannt. Metallica leben von der Energie – und die ist auf „Hardwired... To Self-Destruct“ wieder deutlicher zu spüren als beim überproduzierten „Death Magnetic“ oder der Knüppelorgie „St. Anger“ (2003).

Natürlich hat das Unternehmen Metallica kräftig die Werbetrommel gerührt. In Zeiten, in denen auch das neue Album wieder vorab durchs Internet geisterte – Lars Ulrich, eiserner Bewahrer des Bandvermächtnisses, dürfte sich vor Wut geschüttelt haben –, ist Vermarktung wichtiger denn je. So durften die treuen Metclub-Mitglieder bei exklusiven Vorab-Konzerten schon mal den neuen Stoff schnüffeln – etwa bei der Aufzeichnung für den TV-Auftritt bei „Circus Halligalli“, der am Montag ausgestrahlt wird (Pro Sieben, 22.15 Uhr). Neben der ersten Single „Hardwired“ waren bereits die starken Nummern „Atlas, Rise!“ und „Moth into Flame“ als Appetitanreger zu hören. Und am Tag vor der Veröffentlichung streute die Band jeden einzelnen Song samt Musikvideo im Netz.

Der Hunger war also groß. Und schon beim ersten Durchlauf der neuen Scheibe wird klar, dass sich Hetfield und Ulrich beim Songwriting von den Besten inspirieren ließen: nämlich von sich selbst. Viele Passagen klingen stark nach der selbst betitelten Platte, oft nur „Black Album“ genannt, mit der Metallica 1991 aus der Nische des schnellen, kompromisslosen Thrash Metal in den Mainstream stampften. „Dream no more“ hat den wuchtigen Groove eines „Sad but true“, und das Schlagzeug bei „Here comes the Revenge“ hat schon „Enter Sandman“ eingeleitet. Aber es finden sich auch andere Anleihen. Hier und da blitzt der Blues der beiden „Load“-Alben auf. Sogar wilde Thrash-Elemente haben Hetfield und Kirk Hammett aus der verstaubten Repertoire-Kiste gezogen, die sie seit den Achtzigern nicht mehr angerührt haben.

Mit „Murder One“ ist sogar eine Hommage an Lemmy Kilmister auf dem Album gelandet, die es schafft, an den wohl bekanntesten Bassisten der Welt zu erinnern und gleichzeitig nach Metallica zu klingen. Dumm nur, dass Hammett vor knapp zwei Jahren sein iPhone mit 250 Riff-Ideen verloren hat. Vielleicht wirken seine Gitarren-Soli deswegen etwas uninspiriert. Der Tritt aufs kreischende Wah-Pedal geht jedenfalls nicht mehr als Innovation durch.

Insgesamt ist „Hardwired... To Self-Destruct“ aber trotz kleiner Schwächen das Album geworden, auf das die Fans mindestens seit den beiden „Load“-Alben und damit seit 20 Jahren warten. Warum nicht gleich so? Diese Frage stellt sich natürlich. Aber vielleicht hat die Band die Experimente der vergangenen zwei Platten gebraucht, um nach internen Konflikten, Alkohol- und Drogenproblemen wieder in die Spur zu kommen. Und bei aller Kritik: Live waren Hetfield und seine Kollegen über all die Jahre eigentlich unantastbar und Zuschauermagnet schlechthin.

Daran wird sich mit „Hardwired... To Self-Destruct“ nichts ändern. Ganz am Ende des 77 Minuten langen neuen Albums versteckt sich schließlich die wahre Perle: Bei „Spit out the Bone“ feuern Metallica noch einmal in Höchstgeschwindigkeit aus allen Rohren. So intensiv hat Lars Ulrich seine Felle lange nicht mehr traktiert. So klingt Metallica. So muss Metallica klingen.

Metallica: „Hardwired... To Self-Destruct“ (Universal).

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