Neues Ausflugsziel: Das Bullyversum

München - Die Bavaria Filmstadt ist um eine Attraktion reicher: Ab Dienstag ist Michael "Bully" Herbigs Bullyversum für das Publikum zugänglich.

Ganz zufrieden mit der Gesamtsituation konnte Bully Herbig noch nicht sein - denn bei der feierlichen Eröffnung seines Bullyversums in der Bavaria Filmstadt erinnerte vieles noch an eine Baustelle. Unter den Marterpfählen von Abahachi und Ranger schlängelten sich mehr Stromkabel als Klapperschlangen. Doch im Gegensatz zum dubiosen Apachen-Pub von Film-Fiesling Santa Maria stand die Fertigstellung zumindest unmittelbar bevor. Wenn das Bullyversum in Geiselgasteig heute auch fürs Publikum öffnet, soll Herbigs neuer Abenteuerspielplatz für Filmfans endgültig fertig sein. Oder, wie Winnetouch sagen würde: „Gott sei Dank, nun ist’s vorbei mit der Bullybauerei!“

Wie viel Spaß das 1500 Quadratmeter große Bullyversum machen kann, war aber auch bei der Eröffnung schon zu erahnen, zu der Bully Herbig Freunde und Kollegen wie Chef-Grieche Rick Kavanian, Joseph Vilsmaier oder Wigald Boning begrüßte. „Ich bin selber erschrocken, was da für abgefahrenes Zeug dabei ist“, staunte Herbig, der wegen der Dreharbeiten für Helmut Dietls „Zettl“ in Berlin zuletzt nicht ständig selbst da sein konnte. Gleich im Eingangsbereich, unter dem riesigen Bullyversum-Schild, erinnern alte Telefone und Radios an Bullys Anfänge mit Anrufbeantwortersprüchen und bei Gong 96,3 - dort können sich die Fans noch einmal den Ur-Bully anhören. Ein paar Meter weiter erwartet sie Deutschlands erfolgreichster Filmkomiker (beinahe) höchstpersönlich - ein Animatronic, eine aufwändig animierte Bully-Figur, übernimmt die Begrüßung und stellt die wichtigsten Attraktionen vor, die Filmarchitektin Ushi Tamboriello auf zwei Etagen verteilt hat. Und davon gibt es mehr als genug. Bully, der bei der Eröffnung selbst staunend durch sein neues Imperium läuft und eine geplante Presseführung wegen des großen Andrangs abbrechen muss, gibt zu: „Mir ist ja selbst fast peinlich, wie groß es wirklich ist.“

300 Original-Ausstellungsstücke haben Herbig („Gut, dass ich nichts wegschmeißen kann“) und die Macher von „Bullywood“ zusammengetragen, vom türkisen Go-Kart des kleinen Michl bis zum originalgetreu nachgebauten Herbig-Kinderzimmer mit Dual-Plattenspieler, Bontempi-Heimorgel und Superman-Starschnitt aus der Bravo. „Darum geht’s“, erklärt Bully, „dieses Kinderzimmer ohne Facebook, Twitter und Playstation soll zeigen, dass Träume in Erfüllung gehen können. Wenn ein Kind, das vielleicht Pilot werden will, hierher kommt, denkt es sich hoffentlich: So wie der Bully vom Film geträumt hat und heute Filme macht, werde ich eines Tages Flugzeuge fliegen.“

Dafür kann der Pilotennachwuchs dann gleich im Bullyversum üben: Ein Testflug im Traumschiff Surprise, bei dem die Besucher Filmszenen nachspielen können (das Ergebnis gibt’s als DVD mit nach Hause), gehört ebenso zu den Mitmach-Attraktionen wie die Apachen-Arena, quasi ein interaktiver Indianerspielplatz, das Hui-Buh-Showkino oder eine Fahrt durch Lissis Lustgarten von Schloss Schöngrün. Und wer nicht Pilot werden will, sondern Synchronsprecher, kann Bullys Filme neu synchronisieren - und erhält am Ende vom Meister eine Note für seine Arbeit.

Jede Menge Multimedia und dreidimensionale Animationen - das Bullyversum ist ein 3,5 Millionen Euro teures Hightech-Spektakel („Huch, so viel?“, entfährt es Bully auf der Pressekonferenz) mit eigenem Souvenirshop, der sich in den nächsten Jahren immer wieder verändern soll. „Das Konzept lässt sich jederzeit erweitern“, verrät Ausstellungsmacherin Ushi Tamboriello - zum Beispiel mit Inhalten aus dem nächsten Bully-Film, „Hotel Lux“, in dem Herbig unter der Regie von Leander Haußmann einen Kabarettisten spielt, der 1938 wegen einer Hitler-Parodie in Ungnade fällt. „Es ist noch genug Zeug da für das Bullyversum 2“, lacht Bully, der seine beiden großen Ziele mit der neuen Show so beschreibt: „Ich hoffe, dass mein Sohn nicht entsetzt rausrennt, wenn ich ihm das eines Tages alles zeige. Und wenn die Besucher am Ende mit einem Lächeln aus dem Bullyversum rausgehen, dann hat das Ganze seine Berechtigung.“

Bullyversum

ist Teil von „Filmstadt komplett“; täglich 9-18 Uhr ; 24 Euro, Kinder 22 Euro.

Jörg Heinrich

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