Neues Deutschland

- Dein Land? Mein Land? Unser Land. Unsere Kanzlerin? Auch das. Selbstverständlich. Egal, ob aus dem Osten? Das sollte es sein. Und doch . . . einen Wunschzettel folgenden Inhalts würden wir Angela Merkel schon noch gerne zukommen lassen.

Erstens: dass sie jenes freie Lebensgefühl nachvollziehen kann, das die alte Bundesrepublik auf so einmalige Weise ausgezeichnet hat - das unabhängige Denken, die Weltoffenheit und Weltgewandtheit, die Kennerschaft moderner Kunst, das radikale Infragestellen alter Werte, den Leichtsinn, die Tiefenschärfe, den Charme, die Toleranz.

Zweitens: dass sie empfinden möge, welch politischer Aufbruch, welch kulturelle Stimmung in den 60er- und 70er-Jahren die Generationen beflügelt hat.

Drittens: dass sie fühlt, dass mit Toskana nicht nur die Fraktion ihrer politischen Gegner abqualifiziert wird, sondern sich damit auch Rausch der Sinne, Genuss des Lebens, ein Über-die-Stränge-Schlagen verbinden.

Viertens: dass sie spürt, wie schön es ist, sich - wie es die Künstler tun - auch einmal selbst zu riskieren und zu verschwenden; etwas zu wagen, ohne politisch korrekt sein zu wollen.

Fünftens: dass sie frei genug sein wird, lachen zu können über den fabelhaft frechen Spott der deutschen Kabarett-Elite.

Sechstens: dass sie den Luxus genießt, sich aus der Deckung zu wagen und freundlich sein zu dürfen.

Siebtens: dass sie großzügig sein wird mit ihren Kritikern und weise genug, sich ihnen zu stellen.

Kurz, dass sie ihre Aura endlich von dem Anstrich jener DDR-Tristesse befreien möge, die dieses Land so unwirtlich sein ließ.

Das habe Angela Merkel schon längst getan? Wann hätte wohl nach der Wende die eben gekürte Kanzlerin Zeit gehabt, als Privatperson und jenseits politischer Rücksichtnahmen frei zu leben, zu reisen, zu sprechen? Von Anfang an stand sie unter dem öffentlichen Druck der eigenen Karriere.

Das westdeutsche Gefühl war nicht das schlechteste. Es wäre schön, ließe es sich in Merkels neues Deutschland hinüberretten. In ein Deutschland, dass für die nächsten Jahre ohne Klanzlergattin auskommen muss. Auch das noch.

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