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Faible für schräge Inszenierungen: Die Band Dreiviertelblut um Komponist Gerd Baumann (li.) sowie Sänger und Texter Sebastian Horn.

CD-Kritik

Neues Dreiviertelblut-Album: Kein Lied ohne Hinterhalt

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Diese Woche erscheint das spannende Album „Diskothek Maria Elend“ von Dreiviertelblut. Es wartet mit bösen Überraschungen auf.

Es ist die Urangst so vieler Kinder: das unsichtbare Monster unter dem Bett, das sich mit seinen Klauen ins Holz krallt, dass es knirscht und knarzt. Das unheimliche Thema der Ballade „Unter deim Bett“ steht sinnbildlich für das neue Dreiviertelblut-Album „Diskothek Maria Elend“. Es gibt darauf kein Lied ohne Hinterhalt, irgendwo lauert immer eine böse oder zumindest düstere Überraschung.

Kein Wunder bei dem Mann hinter den Texten der selbst ernannten „folklorefreien Volksmusik-Band“: Dass er einen Hang zum Skurrilen und Fantastischen hat, dass er gerne Songs über Silberfische und Unterwasser-Königinnen schreibt, beweist Sebastian Horn seit mehr als 30 Jahren als Bassist und Sänger der Bananafishbones. Ab 2013 machte er gemeinsame Sache mit dem Filmmusik-Komponisten Gerd Baumann („Wer früher stirbt, ist länger tot“, „Almanya – Willkommen in Deutschland“). Baumann, Mitgründer des Münchner Indie-Labels Millaphon, komponierte zwischen 2013 und 2017 auch das Nockherberg-Singspiel. Ein echter Name ist Dreiviertelblut seit dem Auftritt für Flüchtlingshelfer 2015 auf dem Odeonsplatz. „Mia san ned nur mia“ wurde zur Hymne der Offenheit für andere Kulturen. Für das dritte Studio-Album sperrten sich die sieben Musiker nun 13 Tage im abgeschiedenen Dietramszell (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) ein.

Lesen Sie auch: Sänger Sebastian Horn spricht über das neue Dreiviertelblut-Album

Horns bairisch gesungene, gesprochene und auch mal gerappte Geschichten entstammen nicht nur seiner Fantasie – sondern auch seiner Biografie. In „Odlgruamschwimmer“ bedankt er sich bei einem siebenjährigen Mädchen, das ihn in seiner Kindheit aus einer Güllegrube befreite und ihm so das Leben rettete. Wenn sich der „Boandlkramerbeim Friedhofsfesteinen Bloody Mary an der Bar gönnt, ist das eher Fiktion. Im Gegensatz zum kreativen Experiment „13 Minuten“: Horn versetzt sich gedanklich in die letzten Momente des NS-Widerstandkämpfers Georg Elser in einer Zelle des Dachauer KZ. 

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Mit Grausamkeiten wartet auch die erste Single-Auskopplkung „Wos übrig bleibt“ auf: „Dei Voda a Dregsau, dei Muada a Schlang, deine Briada, sie meng di daschlong“, singt Horn mit tiefer, warmer Stimme von kalten Abgründen kaputter Familien. So manchem mag dieses Album trotz einiger textlicher Stimmungsaufheller zu gruslig, finster und blutrünstig sein. Musikalisch ist es spannungsgeladen von Lied eins bis elf. Getragene Trompeten-Melodien à la Haindling vertragen sich mit dreckigen E-Gitarren. Die Stubenmusik-Ursprünge der Band harmonieren mit tanzbaren Off-Beat-Nummern. „Diskothek Maria Elend“ strotzt nur so vor positiv verrückter Kreativität.

Konzert:

Am 2. Oktober stellen Dreiviertelblut ihr neues Album im Circus Krone in München vor, Beginn ist um 20 Uhr; Telefon 089/ 54 81 81 81. Weitere Termine gibt es unter www.dreiviertelblut.de.

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