Blick in das künftige Aubinger Kulturzentrum
+
Kulturelles und Kulinarisches sollen in der umgebauten Halle aufeinandertreffen, hier eine Animation.

Das ehemalige Aubinger Heizkraftwerk wandelt sich auf Privatinitiative zum „Bergson“

Neues Kulturzentrum für München: Die Kunst befeuern

  • Markus Thiel
    vonMarkus Thiel
    schließen

Ein Münchner Kulturzentrum mit allem für alle, das schwebt den Chefs der Mineralölfirma Allguth vor. 2023 wollen sie das „Bergson“ eröffnen, für das sie ein altes Heizkraftwerk umbauen lassen.

  • Das ehemalige Aubinger Heizkraftwerk, eine denkmalgeschützte Industrie-Architektur, soll zum neuen Kulturzentrum werden.
  • Geplant sind unter anderem Galerie, Jazzkeller, Restaurant und ein Konzertsaal für 400 Besucherinnen und Besucher.
  • Christian und Michael Amberger, Inhaber der Firma Allguth, wollen dafür 80 Millionen Euro ausgeben.

Den Herbst 2023 sollte man sich schon mal freihalten – auch wenn noch nicht klar ist, was in den Eröffnungswochen passiert. Es dürfte ungewöhnlich und spektakulär werden, das versprechen zumindest die Brüder Christian und Michael Amberger. Dank der Initiative der beiden Allguth-Chefs soll dann das historische Aubinger Heizkraftwerk die Wandlung zum „Bergson“ vollzogen haben. So lautet der Name eines neuen Kulturzentrums an der Rupert-Bodner-Straße, rund 400 Meter Luftlinie vom S-Bahnhof Langwied entfernt.

Der Name erinnert an den französischen Philosophen und Literatur-Nobelpreisträger Henri-Louis Bergson (1859-1941), Namensgeber auch der nahe gelegenen Bergsonstraße. Die Bauarbeiten im 45 Meter breiten und 25 Meter hohen Industriedenkmal starteten im März. Seit 2005 sind die Allguth-Brüder Eigentümer des Riesen-Kubus, dessen Errichtung 1940 von der Reichsbahn begonnen wurde und der 1951 von der Bundesbahn zum Heizkraftwerk umgemodelt wurde. Zunächst wollte Allguth die spektakuläre Architektur als Firmensitz nutzen, doch bekam dafür letztlich Gräfelfing den Zuschlag.

Ein ursprünglich geplantes Saal-Projekt scheiterte

Die Idee, in Aubing ein Kulturzentrum zu eröffnen, hatten die Ambergers schon länger. 2015 traten sie mit einem Konzertsaal-Projekt an die Öffentlichkeit – als Angebot an die Münchner Philharmoniker, während der Gasteig-Sanierung dort unterzukommen. Schon damals war Thomas E. Bauer, Bariton sowie Initiator und Chef des Konzerthauses im niederbayerischen Blaibach, im Boot. Er soll in seiner Eigenschaft als unkonventionell denkender Kultur-Ermöglicher nun wieder mitmischen. „Hier wird ein Gebäude frei und von den Ereignissen her gedacht und nicht vorrangig durch Zielgruppenanalysen bestimmt“, sagt Bauer. „Strauss und Wagner selig freut’s vielleicht.“

Neu an der aktuellen Planung: Aubing will keine Konkurrenz sein zu den aktuellen Konzertsaal-Plänen in der Stadt. „Kultur in allen Spielarten“ möchte man Raum geben, und dies auf einer „multifunktionalen Eventfläche“. Konkret geplant ist zum Beispiel ein Atrium mit Bar, eine Kunstgalerie, ein Restaurant mit Lounge, ein Biergarten und ein Jazzkeller im Untergeschoss. Dank der flexiblen Nutzung können praktisch überall kleine Konzerte, Lesungen, Video-Installationen, Ausstellungen oder Ähnliches stattfinden.

Das Aubinger Heizkraftwerk war Teil einer unvollendet gebliebenen Industrieanlage der Deutschen Reichsbahn.

Verantwortlich für die Planung ist das Münchner Architekturbüro Stenger2. Dieses hat sich spezialisiert auf die Verwandlung historischer Gebäude. In München widmeten sie sich unter anderem dem ehemaligen Gas-Versuchskraftwerk an der Drygalski-Allee, das nun Büros, Wohnungen und ein Einrichtungshaus beheimatet. Noch 2015 hatten sich die Allguth-Chefs übrigens für Peter Haimerl interessiert, den Architekten des Blaibacher Konzerthauses.

Beim architektonischen Lifting für das Aubinger Heizkraftwerk wird es allerdings nicht bleiben. In einer zweiten Phase soll neben dem historischen Bestand ein Neubau hochgezogen werden. Dort möchten die Brüder Amberger einen Konzertsaal mit 400 Plätzen unterbringen. Auch wenn sie betonen, dass diese Größe in München gerade für Kammermusik-Formate einmalig ist, so könnte hier durchaus eine Konkurrenzsituation entstehen: Der Max-Joseph-Saal in der Residenz fasst 320, der Hubertussaal 400 Plätze – wobei die Konzertreihe in Letzterem gerade ausläuft und noch keine Nachfolgelösung gefunden wurde.

Verwandtschaft zum Werksviertel und zum Interims-Gasteig

In der Unkonventionalität, im Aufeinanderprallen von verschiedenen Genres, im Wunsch, dass sich alles gegenseitig befruchten möge, bewegen sich die Allguth-Chefs in Ideen- und Konzeptverwandtschaft mit dem Werksviertel am Ostbahnhof oder dem Sendlinger Interims-Gasteig. Überhaupt ist damit ein Trend der Kulturvermarktung und -präsentation auch in München angekommen, wie er andernorts – auch dank architektonisch spektakulärer Lösungen – etwa in Skandinavien längst und mit Erfolg gepflegt wird. Ob geplanter Kulturbesuch oder spontanes Vorbeischauen, (fast) alles soll auch im „Bergson“ möglich sein.

Der große Unterschied allerdings zu den anderen Kulturprojekten der Stadt: Es handelt sich hier um eine Privatinitiative. Rund 80 Millionen Euro werden die Brüder Christian und Michael Amberger nach eigenen Angaben für beide Bauphasen ausgeben. Und sie hoffen sogar, dass der Neubau zeitgleich mit dem Umbau des Heizkraftwerks fertig wird. „Ein wunderbares Gebäude, das aus sich heraus schon magisch inspiriert“, wie es Michael Amberger formuliert.

Auch interessant

Kommentare