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Lenbachhaus-Chef Helmut Friedel im Atrium des Neubaus. Links sieht man, dass der Altbau freigestellt ist; oben die Skulptur von Olafur Eliasson.

Interview mit Helmut Friedel

Neues Lenbachhaus öffnet: Ein Traum wird wahr

München - Das Neue Lenbachhaus wird nach vier Jahren Sanierung wieder zugänglich sein. Wir sprachen mit dem Direktor der Städtischen Galerie, Helmut Friedel, über das, was uns an Überraschungen und Liebgewonnenem erwartet.

Das Neue Lenbachhaus wird nach vier Jahren Sanierung der alten Villa und Errichtung des Erweiterungsbaus von Norman Foster ab 8. Mai wieder zugänglich sein (unsere Zeitung ist der Medienpartner). Endlich werden wir den geliebten „Blauen Reiter“ wieder genießen dürfen und den zauberischen italienischen Garten, aber auch so einiges Neue. Helmut Friedel (Jahrgang 1946), Direktor der Städtischen Galerie, hat jahrelang dieses Bauvorhaben – wie vorher den Kunstbau – mit viel Überzeugungsarbeit und Zähigkeit angeschoben. Jetzt gibt er einen Ausblick aufs Kommende.

Sie sitzen seit einiger Zeit wieder in Ihrem Büro im renovierten Museum. Ist es noch wie im Traum?

Es ist wahr geworden – und es ist schon auch ein Traum, der wahr geworden ist.

Was ist in Ihren Augen das Wichtigste an der Neukonzeption?

Es ist eines gelungen: dass das alte Lenbachhaus erhalten geblieben ist trotz massiver Neubaumaßnahmen. Wichtig war mir, dass die alte dreiflügelige Anlage mit dem wunderbaren Garten nahezu unverfälscht ist, aber auch ein Zugang geschaffen wurde, der den Ansprüchen, die das Publikum zu Recht hat, einigermaßen entsprechen kann. Man muss bedenken, dass zuletzt durch den Garten und über die Freitreppe 400 000 Menschen im Jahr gegangen sind. Dass das nicht mehr funktioniert hat, sah man bei der Kandinsky-Ausstellung, bei der wir einen zusätzlichen Eingang schaffen mussten. Das Nadelöhr war zu eng. Bei der Gelegenheit des Umbaus wurde außerdem alles barrierefrei angelegt. Das Besondere ist, dass das Spezifische des Lenbachhauses, mit den überschaubaren Räumen zu arbeiten, erhalten geblieben ist. Norman Foster sagte immer: „Make it more domestic.“ Die Intimität, die aus der bürgerlichen Sammlung des 19. Jahrhunderts – und das trifft auch auf den „Blauen Reiter“ zu – entspringt, wurde beibehalten: Das macht das Lenbachhaus schön. Dass wir die Sammlungen nun klarer zeigen können – obendrein mit exzellentem Licht –, ist der Traum, der in Erfüllung gegangen ist.

Das Neue Lenbachhaus steht sehr offen da, bietet sich an, schaut erwartungsvoll Richtung Innenstadt.

Der neue Zugang sagt da viel. Ich bin ja ein alter Münchner, aber ich habe noch nie die Propyläen so gesehen wie jetzt. Der Platz, auf den die Besucher zugehen, ist repräsentativ und zeigt, wo sich Lenbach angesiedelt hat. Er hat sein Atelier an den königlichen Platz und an die Brienner Straße, die königliche Straße zum Nymphenburger Schloss, gerückt. Hier standen auch die Villen von Richard Wagner und Graf Schack; Lenbach hat sich also prominente Nachbarn ausgesucht; außerdem die Nähe zu den Staatssammlungen. Deswegen habe ich an diese schöne Stelle das Restaurant platziert. Das Museum soll auch abends offen sein. Dort soll Leben sein über 18 Uhr hinaus. Das müssen jetzt alle Leute einlösen! (Lacht.) Natürlich ist selbst so ein Haus in seiner Kapazität eingeschränkt. Aber wir gehen davon aus, dass 300 000 Besucher pro Jahr kommen werden.

Fühlen Sie sich unter Druck, deswegen in Zukunft lauter Kassenknüller-Ausstellungen anbieten zu müssen?

Ab 8. Mai ist das Neue Lenbachhaus wieder zugänglich, zunächst für fünf Tage kostenlos.

Ich würde das nicht so sehen. Nach meiner Auffassung – wie das mein Nachfolger (ab 2014 Matthias Mühling, Anm. d. Red.) angehen will, weiß ich nicht – sollte das Haus seinen Sammlungen gewidmet sein. Weniger den Wechselausstellungen. Selbst bei dem erweiterten Platzangebot können wir es nicht leisten, die gesamte Sammlung zu zeigen. In ihr ist so viel Kapazität vorhanden, dass wir mit ihr immer wieder interessante Ausstellungen entwickeln können. So hält man die Sammlung lebendig. Daher ist es gut, dass wir unsere Schwerpunkte deutlicher gemacht haben. Die Gegenwartskunst, die in den vergangenen 20, 30 Jahren dazugekommen ist, hat so ein Gewicht, dass sie eine eigene Attraktion ist. Der Akzent Joseph Beuys mit der Schenkung Lothar Schirmer wird Besucher faszinieren. Und das 19. Jahrhundert wird mit der Stiftung Christoph Heilmann und den Corots, Courbets oder den Dresdner Malern eine wunderbare, intime Sammlung. Sodass wir neben dem „Blauen Reiter“ Punkte haben, die die Menschen zum Besuch auffordern. Ich setze aufs Museum. Menschen, die zu uns kommen, sollten profitieren – nicht im materiellen, sondern im geistigen Sinne. Und ich denke, es werden immer mehr sein.

Dass die Städtische Galerie mit dem „Blauen Reiter“ prunkt, ist klar. Aber warum  braucht es eine Extraabteilung für Joseph Beuys?

1979 konnte Armin Zweite gegen erhebliche Widerstände die Installation „Zeige deine Wunde“ erwerben. Mit Joseph Beuys ist der bedeutendste plastische Künstler des 20. Jahrhunderts vertreten. Und einer, mit dem dieses Haus damals eine neue Richtung eingeschlagen hat. Der München-Bezug wurde neu formuliert, weg vom engen Blickwinkel – der ja schon für den „Blauen Reiter“ nicht mehr stimmte. Man zeigte, wovon man glaubte, dass es für die Menschen bedeutsam ist. Da hat Beuys signalhaft Einzug gehalten. Ich bin heute mehr denn je davon überzeugt, dass er für die jüngeren Künstler, die ihn nicht als Persönlichkeit kennen können, sondern „nur“ als Künstler, sehr viel anregender und spannender ist als viele andere. Er ist der Künstler, der auch emotional viel bewegt.

Zur Eröffnung wird sich die Kunst nach 1945 vom Kunstbau bis ins Haupthaus hineinziehen. Was bleibt Dauerausstellung, was wechselt?

Zu unserer Sammlung der Gegenwartskunst ist noch die KiCo-Stiftung dazugekommen. Ein Sammlerpaar macht in Abstimmung mit uns ganz tolle Erwerbungen. Das wollten wir in extenso präsentieren. Was davon im Lenbachhaus ist, wird länger bleiben. Es wird sich aber mit der Zeit verändern. Wir müssen jetzt zum Beispiel wichtige Werke rauslassen wie die von Anselm Kiefer, Ansgar Jorn, Öyvind Fahlström oder der Gruppe Spur. Da ist sehr viel Potenzial vorhanden, das bei der nächsten Umhängung gezeigt werden wird.

Was ist denn zum Beispiel im Kunstbau zu sehen?

Ein wunderbarer Josef Albers, neu erworben von KiCo zusammen mit Werken von Marcia Hafif. Dann Thomas Scheibitz, Michel Majerus... Was wir eigentlich zeigen wollen: dass sowohl KiCo als auch das Lenbachhaus in größeren Zusammenhängen sammeln und nicht in Einzelbildern. Wir können „unsere“ Künstler intensiv in ihrer Entwicklung darstellen.

Münchner Malerei im 19. Jahrhundert – die wird nun auch weltläufig und schaut nach Frankreich oder Dresden.

Aber nicht beliebig international. Die Barbizon-Maler haben zum Beispiel im Münchner Glaspalast ausgestellt, hatten Einfluss auf die hiesige Malerei. Es gab stets einen Dialog zwischen München und Paris. Der Außenblick verstärkt die Münchner Position.

Kunst-Vermittlung wird immer größer geschrieben. Können die Museen das bei der dürftigen finanziellen Ausstattung anständig leisten?

Zum einen gibt es eine neue Stelle eines Kunstvermittlers, zum anderen einen Kooperationsvertrag mit der Münchner Rück, die uns gerade bei Kunstvermittlung hilft – personell und finanziell. Unser Vermittler hat die Aufgabe, mit den anderen Vermittlern – Volkshochschule, „Kuki“ für die Kinder, Museumspädagogisches Zentrum – ein koordiniertes Programm zu entwickeln. Damit wir nicht nur Schüler bedienen, sondern auch Erwachsene. Wir haben die schönsten Räume dafür ausgewählt: im zweiten Obergeschoss mit einem herrlichen Blick. Das ist als Zeichen zu verstehen. Natürlich befürchten wir, dass der Ansturm größer sein wird als das, was wir leisten können. Ich wünsche mir, dass Menschen, die das erlebt haben, nämlich die Freiheit im Umgang mit Kunst, immer wieder ins Lenbachhaus kommen. Die Jahreskarte für nur 20 Euro ist da ideal. Das Museum soll keine Pflichtübung sein.

München Architektur: Stadtentwicklung und Stadtgestalt.

München Architektur: Stadtentwicklung und Stadtgestaltung

Die Städtische Galerie – was ist das Lenbachhaus für München?

Für mich: dass es republikanisch ist, dass es vom Bürgersinn herkommt. Dass die Idee des Kunstvereins aus dem 19. Jahrhundert, dem aufgeklärten Bürger Kunst näherzubringen, hier verwirklicht wird. In Abgrenzung von den Staatsgemäldesammlungen, die von den Herrscherhäusern gegründet wurden und große Themen wie Mythologisches, Sakrales, Staatstragendes erwarben. Bei uns ist man eher in einem Bereich, der von der Gegenwart ausgeht, um die Vergangenheit zu verstehen. Man geht außerdem mehr von den Künstlern aus: Was sehen die heute, was sagen die heute. Deswegen haben wir zum Beispiel neben Carl Spitzweg einen Gerhard Richter gesetzt. Diese Irritationen wagen wir.

Das Gespräch führte Simone Dattenberger.

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