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Ein Teil der St. Matthäus-Kirche in Berlin am Rande der Freifläche unweit der Philharmonie und der Nationalgalerie. Dort soll nach jüngsten Plänen ein Museum der Moderne entstehen. Dafür will der Bund 200 Millionen Euro bereitstellen

Museumsinsel der Moderne

Neues Museum: Berlin baut für die Meister

Berlin - Mit 200 Millionen Euro soll in Berlin ein Museum der Moderne entstehen. Damit bekommt die Hauptstadt auch einen neuen Leuchtturm.

Seit Jahrzehnten gleicht das Berliner Kulturforum am Potsdamer Platz einer Brache. Eine Wurstbude am Rand und einige Skulpturen schmücken das Gelände zwischen Philharmonie, Staatsbibliothek und Neuer Nationalgalerie. Manchmal kampiert dort neben der Matthäuskirche ein Zirkus. Doch das könnte bald Geschichte sein. Neben den Architektur-Ikonen von Bauhaus-Meister Ludwig Mies van der Rohe und Hans Scharouns Philharmonie soll ein Museum für die Kunst des 20. Jahrhunderts entstehen. Ein zentraler Ort der deutschen Hauptstadt wird von Grund auf umgekrempelt.

Ein Haus für alle "Meister"

Mit der Zusage aus dem Bundestag-Haushaltsausschuss über 200 Millionen Euro für das Museum der Moderne ist Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) ein historischer Durchbruch gelungen. Auf einen Schlag könnten damit die drängenden Platzprobleme für die Berliner Kunstsammlungen des 20. Jahrhunderts gelöst werden. Bisher sind die Meisterwerke - von den „Brücke“-Künstlern bis Joseph Beuys - auf mehrere Standorte verteilt.

Das neue Museum soll auf 14 000 Quadratmetern Bestände der Neuen Nationalgalerie sowie die Privatsammlungen Pietzsch, Marx und Marzona aufnehmen. Erich Marx, dessen Sammlung zum Teil im (früheren) Hamburger Bahnhof in der Nähe des Berliner Hauptbahnhofs gezeigt wird, und das Ehepaar Ulla und Heiner Pietzsch hatten einen Museumsneubau zur Bedingung erklärt, um ihren hochkarätigen Besitz den Staatlichen Museen zu überlassen.

Vom Expressionismus bis zu den „jungen Wilden“, ob Beckmann, Kirchner, Liebermann, Dix und Grosz - wie wohl kaum eine andere europäische Metropole gilt Berlin als Brennpunkt der Klassischen Moderne.

Spätestens seitdem 2004 das New Yorker Museum of Modern Art (MoMA) mit Teilen seiner Sammlung in Berlin zu Gast war und 1,2 Millionen Besucher anlockte, wurde klar: Viele der spektakulären Werke, die damals in der Neuen Nationalgalerie zu sehen waren, entstanden im frühen 20. Jahrhundert in Berlin. Mit dem Nationalsozialismus waren sie zu „entarteter Kunst“ erklärt worden, Künstler wurden vertrieben.

"Eine Jahrhundert-Entscheidung"

So äußerte sich Grütters am Freitag hochzufrieden mit dem Votum der Haushälter. Sie sprach von „Jahrhundert-Entscheidung“, aber auch von „zähem Ringen“ und „harter Überzeugungsarbeit“, um die Millionen bei Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) locker zu machen. Den Ausschlag habe das Argument gegeben, ohne Neubau, auf den die Sammler bestanden, müsste der Bund auf den Schatz verzichten, der auf mindestens einer Milliarde Euro beziffert wird.

Der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger, sieht das Kulturforum bereits als „Museumsinsel der Moderne“ und spricht von einem „fulminanten Akt“. Dabei hatte der Chef der Preußenstiftung zunächst eine andere Lösung vorgeschlagen: Als kostengünstigere - und kleinere - Variante sollte die Neue Nationalgalerie einen Anbau an der seitlichen Sigismundstraße bekommen. Die seit knapp einem Jahr amtierende Grütters setzte sich dann für den Museumsneubau an der Potsdamer Straße ein.

Ambitionierter Zeitplan

Für den Neubau ist ein ambitionierter Zeitplan vorgesehen. Da er in öffentlich-privater Partnerschaft (ÖPP) entstehen soll, kann die Baubürokratie des Bundes umgangen und damit auch schneller gebaut werden. Im kommenden Jahr soll ein EU-weites Vergabeverfahren beginnen, der Zuschlag 2016 erfolgen, 2017 Baubeginn sein. Nach der Übergabe des Gebäudes könnte das Museum 2021 eröffnet werden. Das Projekt dürfte Stararchitekten aus aller Welt locken.

Voraussetzung ist, dass Berlin schnell das Grundstück freigibt und die Bauplanung in die Wege leitet. Grütters spricht dabei von einem guten Einvernehmen mit dem designierten Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD), der bereits als Senator für Stadtentwicklung eine Gestaltung des Kulturforums befürwortet hatte.

dpa

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