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Wurde freundlich im Münchner Nationaltheater begrüßt: Marina Poplavskaya als Violetta.

Neulinge und Vertreter der alten Schule

München - Günter Krämers Inszenierung von Verdis „La Traviata“ kehrte ins Nationaltheater zurück

In Günter Krämers 19 Jahre alter Inszenierung von Verdis „La Traviata“ an der Bayerischen Staatsoper tummelten sich am Dienstag einige Neulinge. Unter ihnen als ältester Rückkehrer nach rund 20 Jahren: Der 70-jährige Leo Nucci, der als Giorgio Germont viel Aufmerksamkeit auf sich zog. Als zunächst knorriger, zunehmend empfindsamer und liebevoller Alter erfüllte er die Bühne nicht zuletzt mit den Sängertugenden der alten Schule. Ausdruck, Linie, Intonation und Klarheit seines Baritons verliehen dem Vater Profil und Persönlichkeit.

Neben einem solch erfahrenen Interpreten der italienischen Oper hatten es die jungen Kollegen nicht leicht: Immerhin gewann James Valenti als sein Sohn Alfredo rasch an Format, nachdem er zunächst den Frischling auf dem Pariser Parkett gegeben hatte. Fast jungenhaft-schüchtern und etwas linkisch trat er der verehrten Violetta gegenüber, beglaubigte diese Haltung auch im Gesang. Hernach verführte ihn selbst die Eroberung der Angebeteten nicht zum Schmettern. Valenti forcierte nicht, sang bis in die Höhe unangestrengt und kleidete Alfredos Gefühle, seine zärtliche Liebe, seine Sorge wie auch seinen Zorn ins entsprechende Klanggewand. Dass er manchmal zu alten Operngesten griff, verzieh ihm das Publikum, das ihn freudig in München willkommen hieß.

Auch Marina Poplavskaya als Titelheldin wurde mit freundlichem Applaus bedacht, obwohl sie mit legendären (Edita Gruberova) wie aktuellen (Anja Harteros) Vorgängerinnen nicht mithalten konnte. Darstellerisch gelang ihr durchaus der Wandel von der glamourösen, an eine Filmdiva erinnernde Kurtisane zur ehrlich Liebenden, die zum Verzicht bereit ist. Doch ihr großer Sopran erfüllte Verdis Ansprüche nur bedingt. Linie und Phrasierung bereiteten der Sängerin Mühe und auch die Höhe erreichte sie oft nur mit Kraft. Ungenauigkeiten in Intonation und Tongebung trübten ebenfalls den Genuss.

Weit bessere Karten für seinen ersten Auftritt an der Staatsoper zog Henrik Nánási aus dem Ärmel. Vor Jahren hatte er als junger Kapellmeister am Gärtnerplatz reüssiert. Jetzt entlockte er dem Staatsorchester schmeichelnde Momente, setzte der Zartheit des schwebenden Streicherbeginns federnde Rhythmik, pulsierende Unruhe oder ein opulentes Forte in den Ensembleszenen entgegen und begleitete die Protagonisten mit Gespür.

Gabriele Luster

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