Zur Premiere

Nicht das Altherrenmodell

Einen Namen gemacht hat sich Daniel Morgenroth (44) außer in zahlreichen Film- und Fernsehrollen vor allem durch seine Theaterarbeit in Berlin – am Deutschen Theater als Inbegriff des jugendlichen Helden (Peer Gynt, Graf Wetter vom Strahl, Tempelherr). Jetzt hat er erstmals Musicalluft geschnuppert.

Im Berliner Admiralspalast spielt er den Professor Higgins in „My Fair Lady“ – mit Franziska Forster als Eliza. Heute Abend hat diese Produktion in München Premiere: im Ausweichquartier des Deutschen Theaters in Fröttmaning.

-Ist es für Sie das erste Mal, dass Sie auf einer Bühne singen?

Nein, das ist schon des Öfteren vorgekommen. Ich hatte sogar mal einen Solo-Abend mit Liedern und Chansons, den ich über 400 Mal gemacht habe. Dass ich jetzt Musical spiele, kommt also nicht ganz von ungefähr. Meine Mutter ist Geigerin, und mein Vater war Fagottist an der Komischen Oper. Da bin ich dann als Kind schon mal mit auf die Probe geschleppt worden und hab’ vier Stunden lang „Tosca“ gehört.

-Waren Sie überrascht, als man Ihnen die Rolle in „My Fair Lady“ angeboten hat?

Ich habe damit gar nicht gerechnet. In meiner Wahrnehmung war der Higgins immer ein älterer Mann. Vielleicht aber auch nur, weil ich selber noch sehr jung war, als ich das Stück zum ersten Mal gesehen habe.

-Verändert sich dadurch das Stück?

Ich finde das in der Konstellation, wie wir es jetzt machen, genau richtig. Eben nicht dieses Altherrenmodell „Lehrer verführt Schülerin“. Die beiden nähern sich auch altersmäßig an und sind einander ebenbürtig. Dass Eliza hier nicht mehr die naive 17-Jährige ist und er nicht der alte Knacker, tut dem Stück meiner Meinung nach sehr gut.

-Sie wissen, dass Sie in München gegen eine berühmte Produktion von August Everding anspielen müssen, die in der Premiere einst mit Cornelia Fro-boess und Helmut Griem punkten konnte?

Eine ähnliche Situation hatten wir in Berlin auch. Aber wer bei uns die erste Szene sieht, der weiß sofort, wo die Reise hingeht. Ich denke, es ist unserem Regisseur Peter Lund sehr gut gelungen, mit einem frischen Blick an die Sache heranzugehen. Und man sieht, wie man das Ganze mit Fantasie und Witz lösen kann, auch wenn man keine Millionen hat, die man in die Ausstattung oder in große Chöre stecken kann.

-Was viele Zuschauer aber vielleicht erwarten.

Schon, aber gerade dieses Stück kann es sich absolut leisten, auf seine Geschichte zu vertrauen, weil die einfach unglaublich stark ist.

-Haben Higgins und Eliza als Paar überhaupt eine Chance?

Das Schwierige am Higgins ist, dass er nie einsichtig wird. Erst am Schluss lässt er kurz in seine Seele blicken. Er gibt zu, dass es ihn doch erwischt hat. Aber das kann er nur zugeben, weil Eliza zu diesem Zeitpunkt bereits weg ist.

-Können Sie sich mit Higgins identifizieren?

Mit der Besessenheit für seine Arbeit kann ich mich schon identifizieren. Nur gelingt es Higgins nicht mehr, die Kurve zu kriegen. Erst Eliza hält ihm den Spiegel vor und zeigt ihm, dass es noch mehr im Leben gibt, wie zum Beispiel Freunde und Familie. Und gerade das sollte man nie vergessen.

Das Gespräch führte Tobias Hell

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