Nicht der große Maxe

- "Wir freuen uns auf seinen Anfang im Herbst 2004." So huldigte der zu diesem Zeitpunkt scheidende Intendant der Münchner Philharmoniker, Bernd Gellermann, dem zukünftigen Generalmusikdirektor Christian Thielemann. Der war eigens aus Berlin ins frühlingshafte München angereist, um das Programm der ersten Philharmoniker-Saison, 2004/05, unter seiner Leitung vorzustellen. Auf die Präsentation des Gellermann-Nachfolgers und künftigen Intendanten, der sein Amt in diesem Herbst antreten sollte, muss hingegen weiterhin gewartet werden. Kulturreferentin Lydia Hartl konnte noch nicht einmal einen ungefähren Zeitpunkt für die Kür nennen.

Erfreulicheres konnte Gellermann verkünden: Die durch die Finanznot der Stadt München gestrichenen Kinderkammerkonzerte und Kammerkonzerte wird es weiterhin geben. Ersteres übernimmt der Gasteig-Kulturkreis. Letzteres retten die Musiker selbst, indem sie zukünftig ohne Gage spielen werden.<BR><BR>Die kommende Saison ist weitgehend noch von Gellermann geplant; natürlich unter Berücksichtigung der Wünsche des neuen Chefs. Der zeigte sich von seiner bescheidenen Seite: "Man muss nicht allen Leuten gegenüber den großen Maxen markieren. Ich würde den Anfang als sanft, aber stark beschreiben." Dass Thielemann mit dem gleichen Werk startet wie es seinerzeit Celibidache tat - Bruckners Fünfter - ist Zufall, zeugt höchstens von ähnlichem Geschmack:<BR><BR>"Ich habe mich im Programm bemüht, ein paar Pflöcke einzuschlagen und in den ersten Konzerten mit Bruckner, Brahms und Henze ein möglichst großes Spektrum zu bieten." Aber: "Ich will keinen Gemischtwarenladen präsentieren. Zweimal Bruckner zu Anfang, damit man gleich weiß, wohin es geht." Zum Beispiel nur Beethoven in einem Programm. Thielemann: "Den ganzen Abend allein einem Komponisten zu widmen, das ist vielleicht aus der Mode, aber ich finde das wunderbar. Man sucht sich eben aus, was man besonders gerne macht."<BR><BR>Und das sind, so scheint's, die so genannten Knaller, dazu, was ihn ehrt, die Uraufführung einer Philharmoniker-Auftragskomposition an den Münchner Komponisten Jörg Widmann. Insgesamt sieben Programme mit 19 Konzerten. Alles andere, das auch weniger Populäre, besorgen Gastdirigenten; darunter Zubin Mehta, Yakov Kreizberg, Marcello Viotti, Ivan Fischer.<BR><BR>"Ich kenne keine Ranküne, keinen Neid. Mir sind alle Dirigenten willkommen, von denen ich weiß, dass sie sich mit dem Orchester gut verstehen", sagt der neue Chef. Der übrigens ankündigte, in einer der nächsten Spielzeiten erstmals Bach zu dirigieren. "Ich würde von einer anderen Warte als die Spezialisten herangehen. Dieses Orchester muss Bach spielen. Und ich als Chefdirigent muss eine Matthäuspassion dirigieren."

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Hansi Kraus im Interview: „Wurde von meiner Familie betrogen“
München - Hansi Kraus ist der ewige Lausbub - auch, weil er diesen in Ludwig Thomas Lausbubengeschichten verkörpert. Im Interview spricht Kraus auch über die …
Hansi Kraus im Interview: „Wurde von meiner Familie betrogen“
Stapellauf fürs Themenfrachtschiff
Hamburg - Jörg Widmanns monumentales und mehrheitsfähiges Oratorium „Arche“ ist eine Maßanfertigung für die Hamburger Elbphilharmonie. Die Konzertkritik.
Stapellauf fürs Themenfrachtschiff
Im Minenfeld
München - Bernhard Maaz, Chef der Staatsgemäldesammlungen, spricht im Merkur-Interview über Kunst in der NS-Zeit, Gurlitt, Raubkunst, Provenienzforschung und Restitution.
Im Minenfeld
Deutscher Kabarett-Preis geht an Österreicher Alfred Dorfer
Nürnberg - Der Österreicher Alfred Dorfer ist mit dem Deutschen Kabarett-Preis 2016 geehrt worden. Der 55-jährige Kabarettist nahm die mit 6000 Euro dotierte …
Deutscher Kabarett-Preis geht an Österreicher Alfred Dorfer

Kommentare