Nicht nur Kindersache

- Es war einmal ein dänischer Märchenerzähler, der bekam im Herbst 1844 einen Brief. In diesem Brief befanden sich drei Illustrationen - und die Bitte, zu einer von ihnen ein Märchen zu schreiben. Nach kurzem Zögern entschied er sich für das Bildnis eines armen Mädchens. Es wurde: "Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzchen".

Ein Bild also war es, das Hans Christian Andersen zum Schreiben eines seiner bekanntesten und ergreifendsten Märchen anregte. Bis heute sind es umgekehrt die literarischen Erfindungen des fantasierenden Realisten Andersen, die jedes Jahr zahlreiche internationale Illustratoren inspirieren. Nicht wenige ihrer vielseitigen Ideen - von 1839 bis heute - befinden sich im Besitz der Internationalen Jugendbibliothek München auf Schloss Blutenburg und sind nun in der Ausstellung "Däumelinchen, Nachtigall und Zinnsoldat. Märchenbilder zum 200. Geburtstag von H.C. Andersen" zu sehen.Lieblich sind die Beiträge, verspielt oder gruselig, realistisch nah oder fantastisch fern. Märchen sind nicht nur Kindersache, das zeigen auch charakteristische Umsetzungen von Wilhelm Busch, Günter Grass oder Karl Lagerfeld. Collagen, Lithografien, Aquarelle, Radierungen - für den einen bieten Andersens Märchen nur eine Basis, manch anderer begleitet sie Wort für Wort.Auf Schloss Blutenburg, der Jugendherberge für jung gebliebene Literaten wie Erich Kästner, James Krüss und Michael Ende, führt die Andersen-Reise an alten schöpferischen Urstücken vorbei, den verwunschenen der Romantik oder den verschlungenen des Jugendstils. Sie endet in aktuellen Bilderbüchern, die ihren Auftritt auch in großformatigen Originalbildern haben. Da diese nach Märchen, nicht nach Illustratoren geordnet sind, kontrastieren die künstlerischen Einfälle oft gewaltig. Und führen dabei einmal mehr vor Augen, wie groß der Raum ist, den der dänische Dichter für die Fantasie seiner Leser geschaffen hat.Teresa Grenzmann

Bis 31. Juli; Di.-So. 14-17 Uhr. Katalog: 15 Euro. Info: 089/ 891 21 10; www.ijb.de.

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