Nicht mit der linken Hand schreiben

- Erst letzten November hatte er den Münchnern mit der Kirchenoper "Augustinus" sein jüngstes Bühnenwerk präsentiert: Wilfried Hiller. Seit vielen Jahren gehört der derzeitige Präsident des Bayerischen Musikrats zu Deutschlands erfolgreichsten Komponisten - nicht zuletzt wegen seiner zahlreichen Werke für Kinder. Seinen bislang größten Erfolg hatte er mit der bairischen Mär "Der Goggolori", die in Zusammenarbeit mit dem Schriftsteller Michael Ende entstand und 1985 am Gärtnerplatztheater uraufgeführt wurde. Heute feiert Wilfried Hiller, der seit langem in München lebt und arbeitet, seinen 65. Geburtstag.

Warum kommt Ihre Musik bei jungen Zuhörern besser an als die vieler anderer Komponisten?

Wilfried Hiller: Ich glaube, dass Stücke für Kinder buchstäblich mit der "linken Hand" geschrieben werden. Viele Kollegen fühlen sich dabei unter Niveau beschäftigt. Bei mir ist das nicht so, ich nehme Kinder sehr ernst, und die merken das auch.

Wie haben Sie überhaupt das Nachwuchspublikum für sich entdeckt?

Hiller: Durch meinen Sohn. Als er vier Jahre alt war, wollte ich ihm seine eigene Musik schreiben, Lieder. Ich brauchte Texte und sagte zu ihm: "Pass auf, dafür besorge ich mir den, der Jim Knopf geschrieben hat."

Michael Ende. Kannten Sie ihn damals schon?

Hiller: Ich habe ihn kurze Zeit später kennengelernt. 1978 sollte ich als Stipendiat der Villa Massimo nach Rom gehen. Noch in München traf ich einen Freund auf der Straße, der sich in Rom gut auskannte und mir eine Reihe von Adressen und Telefonnummern gab, auch die von Michael Ende. Ende wohnte zu der Zeit in der Nähe von Rom und hatte sich gerade mit zwei seiner Komponisten verkracht. Als ich ihn anrief und sagte, ich sei Komponist, meinte er nur: "Um Gottes Willen!" So fing unsere Zusammenarbeit an. Eine fruchtbare Zusammenarbeit, die bis zu seinem Tod andauerte.

Sie waren ja auch Schüler von Carl Orff. Ging von ihm ebenfalls eine Anregung aus, für Kinder zu schreiben?

Hiller: In dieser Hinsicht war Orff nicht so wichtig für mich. Ich habe ihn zunächst durch sein Spätwerk kennengelernt, das sich eher mit der griechischen Tragödie und dem japanischen Nô^-Theater auseinander setzt. Mit dem "Schulwerk" zum Beispiel habe ich mich erst Jahre später beschäftigt.

Abgesehen von Ihren Kinderstücken: Gibt es einen neuen großen Stoff für die Opernbühne?

Hiller: Gibt es. Die Geschichte eines Zimmermannssohns mit zwölf Jüngern.

Jesus.

Hiller: So ist es, und so heißt auch das Projekt. Nur eben nicht Jesus, sondern "Jhesus", in der Originalschreibweise Luthers. Damit möchte ich eine Distanz schaffen zur religiösen Figur, denn im Vordergrund steht für mich der Mensch, sein Leben, die Menschen, die ihn umgeben und seine, unter anderem buddhistischen, Einflüsse.

Also kein Bibelkundeunterricht mit Musik?

Hiller: Nein, ich möchte mir mein eigenes Bild von Jhesus machen, herausfinden, was mich an ihm fasziniert. Über viele Dinge bin ich mir noch gar nicht im Klaren, zum Beispiel, wie man ihn szenisch darstellen kann. Es ist ja interessant, dass sämtliche Opernkomponisten diesem Problem bisher aus dem Weg gegangen sind. Auf jeden Fall hängt die Charakterisierung der Rollen auch von den Sängern ab, mit denen ich jetzt schon zusammenarbeite, auch wenn die Uraufführung wahrscheinlich erst 2009 stattfinden wird. Also so um meinen Siebzigsten herum.

Und was machen Sie an Ihrem Fünfundsechzigsten?

Hiller: Da habe ich einen Termin im Maximilianeum.

Das Gespräch führte Stephan Schwarz

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Wiener Tatort-Star Adele Neuhauser: „Ich bin mir lange im Weg gestanden“
Die Wiener-Tatort-Kommissarin Adele Neuhauser erzählt im Interview von ihrer Autobiografie. Mutig aber nicht voyeuristisch - so sollte ihr Buch werden. Nun wird bereits …
Wiener Tatort-Star Adele Neuhauser: „Ich bin mir lange im Weg gestanden“
Konzertabbruch: So krank war der Jamiroquai-Sänger wirklich
Es war eine „Stimmbandentzündung mit Aphonie“ (Stimmverlust), die Sänger Jason „Jay“ Kay von Jamiroquai zum Abbruch des Konzerts am Donnerstagabend in der fast …
Konzertabbruch: So krank war der Jamiroquai-Sänger wirklich
Diane Kruger: „Dieser Film hat mein Leben verändert“
Es sei die intensivste Rolle ihrer bisherigen Karriere gewesen, sagt Diane Kruger. Belohnt wurde die 41-jährige Deutsche, die seit 25 Jahren in den USA lebt, in diesem …
Diane Kruger: „Dieser Film hat mein Leben verändert“
Neu ergänzt und wie neu gehört: Mozarts Requiem mit René Jacobs
Schon wieder ein Mozart-Requiem auf CD? Wenn man es so aufregend deutet und eine so überzeugende Neufassung bietet wie René Jacobs - unbedingt!
Neu ergänzt und wie neu gehört: Mozarts Requiem mit René Jacobs

Kommentare