Andrea Bocellis größter Vorteil ist die angenehme Mittellage seiner Stimme. Foto: ap

Nicht seine Baustelle

München - Andrea Bocelli in der ausverkauften Münchner Philharmonie

von tobias hell

Eines muss man Andrea Bocelli zugestehen: Er gibt nicht auf. Obwohl seine größten Erfolge nach wie vor im schmusigen Crossover liegen, will er sich immer wieder in seriöseren Gefilden beweisen. Wozu in der ausverkauften Philharmonie in München nun alles aufgeboten wurde, was das Fanherz sich nur erträumen kann: Unter anderem ein 1,2 Kilo schweres DIN-A3-Programmheft mit zahlreichen Hochglanzfotos des Sängers in klassischer Pose sowie stimmungsvollen Landschaftsaufnahmen. Und auch bei der Liedauswahl war das Beste gerade gut genug. Doch bereits bei den Händel-Arien musste Bocelli erste stilistische Abstriche machen. Zwischen „Ombra mai fu“ und der Strauss-„Zueignung“ gab es außer der Sprache praktisch kaum Unterschiede. Zudem ist die verzierte Musik, egal welcher Epoche, nun eben einfach nicht seine Baustelle. Das müssen selbst Fans zugeben.

Je höher sich die Koloraturen nach oben schrauben, umso dünner wird die Stimme. Da ist Bocelli allein mit der technischen Bewältigung so sehr beschäftigt, dass für eine individuelle Interpretation kein Raum bleibt. Sein größtes Plus, die angenehme Mittellage, kam dafür in den französischen Liedern schön zum Tragen. Diese Stücke bestimmten den zweiten Teil des Abends, der am meisten überzeugte. Dies auch dank Pianist Vincenzo Scalera, der seinen Partner quasi auf Händen trug.

Sein Versuch mit der „Regimentstochter“ lässt sich ob der angestrengten hohen Cs trotzdem nur unter „Größenwahn“ abheften - selbst wenn man nicht Juan Diego Florez als Vergleich heranzieht. Hier halste Bocelli sich etwas auf, das nicht sein müsste. Damit tat er letzten Endes niemand einen Gefallen.

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