Nicht zur vollen Blüte gebracht

Barenboim und Jansons: - Hochkaräter auf dem Podium und Prominenz im Saal: Mariss Jansons und sein Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks hatten sich Daniel Barenboim als Pianisten für Brahms' erstes Klavierkonzert geholt, und so war der Andrang des Publikums - in dessen Mitte Waltraud Meier, Ex-Opernchef Sir Peter Jonas und Staatstheaterchef in spe Martin Kusej - groß.

Doch trotz Hochstimmung und lautstarker Begeisterung der Zuhörer geriet das Konzert im Herkulessaal nicht zur Sternstunde. Vielmehr schien es, als wollte Barenboim sich und dem Publikum beweisen, dass er auch als 66-Jähriger nach langen Jahren als Dirigent und Opernchef noch mächtig in die Tasten hauen kann. Er tat es in den Ecksätzen fast aggressiv, klanglich zuweilen spröde und nicht immer treffsicher. Barenboim überzeugte vor allem im "Zuspiel" zum Orchester, mit dem er intensiv kommunizierte. Auch im extrem langsamen Adagio mit seinen sich quasi hochschraubenden Trillern und zarten (Anschlags-)Nuancen.

Brahms-Klänge hatten BR-Chor und Symphonieorchester schon zuvor angeschlagen: Den auf Goethe basierenden "Gesang der Parzen". Mit aller gebotenen Dramatik steuerte Jansons das Orchester in die abstürzenden Gesten, ließ den von Michael Gläser studierten Chor markant und textdeutlich heraustreten. Ganz anders hatten sich Chor und Orchester zu Beginn in André Caplets "Tout est lumière" präsentiert. Dabei hatte Jansons auf einen weich ineinander fließenden Gesamtklang, ein changierendes Amalgam geachtet.

Caplets verehrtem älteren Komponisten-Freund Claude Debussy begegnete Jansons, dessen Element "La mer" eher nicht ist, dann mit ungewohnter Trennschärfe, mit sehr forschem Tempo und knalliger (Schluss-)Inszenierung. Impressionistisches Farbenspiel und klangliches Raffinement keimten zumindest im zweiten Satz, dem mit zauberisch glissandierendem Holz aufwartenden "Jeux de vagues", auf. Volle Blüte erreichten sie nicht.

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