Das und nichts anderes

- Nun kann's losgehen. Für 1, 5 Millionen Euro wurde das Münchner Volkstheater in seinem Eingangs-, Foyer- und Gastronomiebereich umgebaut, verschönt, ver-schickt. Und in dieser hellen Halle, die längst noch nicht geräumt ist von Malern und anderen Handwerkern, präsentierte gestern Neu-Intendant Christian Stückl aus Oberammergau sein junges Ensemble sowie seine Premierenpläne für die nächsten Monate.

<P>Dabei versäumte er es nicht, noch einmal symbolisch seinen Hut zu ziehen vor der großen künstlerischen Leistung von Ex-Theaterchefin Ruth Drexel, die dem Haus vorläufig auch noch weiter verbunden bleibt: "Die Drexel hatte einen großen Fan-Club. Den mitzunehmen in die neue Spielzeit, muss uns erst einmal gelingen; und natürlich werden wir dazu unser eigenes, junges Publikum suchen."</P><P>Das sollte auch zu finden sein, denn der Elan und der fröhliche Mut Stückls wirken geradezu ansteckend. Auch sein Spielplan macht neugierig. Morgen also Eröffnung mit "Titus Andronicus". Es folgen die Premieren: "Durstige Vögel" (15. 11.) des jungen Kristo Sagor; "Die Geierwally" (29. 11.) von Wilhelmine von Hillern (Regie: Stückl); "Nicht Fisch nicht Fleisch" (6. 12.) von Franz Xaver Kroetz (Regie: Ruth Drexel) und "Klein Eyolf" (Anfang Januar) von Henrik Ibsen (Regie: Florian Fiedler).</P><P>Zu den Titeln erklärt Stückl: "Für mich ist Spielplanmachen ja etwas ganz Neues. Klar war am Anfang nur: Ich will mit einem Shakespeare eröffnen. Irgend so etwas wie ,Sommernachtstraum oder ,Was ihr wollt, dachte ich. Dann aber habe ich ,Titus Andronicus gelesen, weil mir mein Dramaturg den rübergeschoben hat. Mein erster Eindruck: Das ist ja wunderbar, das mach' ich und nichts anderes." Wie konnte er damals ahnen, dass das Residenztheater Gleiches im Sinn hatte!</P><P>Aber während der Proben ergaben sich für Christian Stückl dann doch Probleme _ und zwar mit der Besetzung der Titelrolle. Der junge Schauspieler Christian Lerch stieg aus. Stückl: "Die Chemie stimmte nicht." Der ältere Alexander Duda stieg ein. Zweieinhalb Wochen vor der Premiere sprang er sozusagen mitten hinein ins blutrünstige Mord- und Monsterstück.<BR>Vier Wochen später: absolutes Kontrastprogramm mit der "Geierwally". Stückl: "Plötzlich war ich mit dem Begriff ,Volkstheater konfrontiert. Obwohl ich ja selbst, wie nicht zu überhören ist, nur Mundart spreche, habe ich noch nie Mundarttheater gemacht. Doch wir wollen das Bayerische nicht ausklammern. Darum also dieses Stück, das irgendwie auch mit mir zu tun hat, denn ,Die Geierwally wurde in Oberammergau geschrieben und dort auch zum ersten Mal 1872 von einer Laienbühne aufgeführt."</P><P>Und da wir schon bei Oberammergau sind, liegt die Erinnerung an Stückls fulminant inszenierte Passionsspiele nahe. Jesus-Darsteller Anton Burkhart wird bei der "Geierwally" als Gast mit dabei sein; seine Schwester Ursula Burkhart, die in Oberammergau als Maria Magdalena auf der Bühne stand, gehört nun als Schauspielerin fest zu Stückls Volkstheater-Ensemble. Erste Rolle: die tragische Lavinia im "Titus".</P><P>Über die genannten Premieren hinaus haben Christian Stückl und seine Leute viel vor: Lesungen, Konzerte, Soloabende in Verbindung mit flotter Bewirtung sollen zusätzlich frisches Leben in die früher doch arg verstaubte Bude bringen. Dafür sind jeweils die "Club"-Montage vorgesehen. Kompletten Spielbetrieb wird es aber erst in dem Moment geben, wenn die genannten Premieren stattgefunden haben. Zunächst nur 15 Abende im November, ab 6. Dezember geht hier dann täglich der Vorhang hoch.</P><P> </P>

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