Nichts zum Austoben

- "Eine Art von Werkstattbericht" wolle er geben, sagte Matthias Sauerbruch am Montagabend im Siemens-Auditorium der Münchner Pinakothek der Moderne. PIN, Freunde der PDM (vormals Galerieverein), hatte eingeladen. Man war gespannt, von dem Architektenteam Sauerbruch & Hutten etwas über den Planungsfortschritt des Museums Brandhorst zu erfahren. Das Paar hatte nach mehreren Jury-Pattsituationen 2002 doch noch den Entwurf von Zaha Hadid ausgestochen.

<P>Zunächst aber wurde für PIN geworben, erklärte Reinhold Baumstark, Chef der Staatsgemäldesammlungen (diese betreuen das Brandhorst-Museum), dass im Sommer Baubeginn sei und man 2007 eröffnen möchte. Und seine Stellvertreterin, Carla Schulz-Hoffmann pries die Sammlung Brandhorst.<BR><BR>Berühmt die von Picasso illustrierten Bücher, das Andy-Warhol-Konvolut, die herrlichen Cy Twomblys. Es sei eher das Stille, Lyrische, worauf Udo Brandhorst und seine verstorbene Frau Anette Wert gelegt hätten.<BR><BR>Diesen Schwerpunkt-Helden der Collection huldigt auch die Architektur. Im obersten Geschoss des Museums, und zwar im Kopfbau wird es eine Art Apsis mit Twomblys "Lepanto"-Zyklus geben. In einer Panorama-Inszenierung kann man die Gemälde "simultan" erleben. Die größte Halle feiert Warhol beziehungsweise andere Großformate. <BR><BR>Der schmale, lang gestreckte Bau an der Türkenstraße wendet sich mit dem Eingangsbereich im trapezförmigen, hochgezogenen Kopfbau nicht hin zur PDM, sondern zur Theresienstraße. Sauerbruch betont die "städtebauliche Notwendigkeit", die Straßenkreuzung deutlich zu markieren. Dort sind Foyer, Café´ und darüber die Büros. Durch ein "Tor" gelang man in den Längstrakt, wo man auf einen "Verteiler" stößt. Da verzweigen sich die Wege in die drei Galerie-Ebenen. Raffinierte Lamellen und gekrümmte Plafonds (die nur zum Teil sichtbar sein werden) sollen per Reflexion möglichst viel Tageslicht in die Räume leiten, während die Grafikkabinette und der Saal für Neue Medien ohne Naturlicht bleiben.<BR><BR>Von der doppelten farbigen Glasfassade mussten sich Louisa Hutten und Matthias Sauerbruch verabschieden, denn das Material wirft den Lärm zu stark zurück. Die Auflagen zur Schalldämpfung hätten nicht erfüllt werden können. Nun experimentiert man mit Stäben aus Alu oder Keramik als Verkleidung. Die zweite Haut darüber soll aus perforiertem Blech bestehen. Durch diese "Schichtung" entsteht aus der Ferne der Eindruck einer unauffällig getönten Fassade. Erst im Näher-Kommen werden dann die Farben der hinteren Wand sichtbar. <BR><BR>Architekt Matthias Sauerbruch gab einen anschaulichen "Unterricht", welche Anforderungen Ausstellungsbauten stellen. "Museumsarchitektur ist nicht zum Austoben, sie wirkt eher disziplinierend."<BR></P><P><BR> </P>

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