Nichts geglättet

- Es ist immer wieder erstaunlich, wie modern doch Beethoven klingen kann. Auch sein Streichquartett op. 18 Nr. 1 in F-Dur trägt, zumal dann, wenn Ausdruck vor Schönklang rangiert, solche Züge. Das Henschel Quartett, das am Freitagabend beim Nymphenburger Sommer im gut besuchten Hubertussaal gastierte, glättete nichts: Vielmehr stellte es in seinem analytisch inspirierten Spiel das Spröde, Sperrige, gar Ruppige des Werks heraus. Dabei zielte das Scherzo in seiner Dorfmusikanten-Schrägheit schon fast in Richtung Mahler.

Mit romantischerem Wohlklang, seidigerem, weicherem Ton (vorgegeben von der Primgeigerin) wartete danach das befreundete Kuss Quartett auf - in Schumanns erstem Streichquintett op. 41 Nr. 1 in a-moll. Besonders mitreißend gelang nach bereits temperamentvollem Beginn das fast dahinjagende Scherzo, kontrastiert von einem sanften, feine Spielkultur verratenden Trio. Im klangintensiven Adagio beeindruckten die spannenden Verflechtungen, die feine Linienführung, bevor im Finale noch einmal energisch akzentuiert wurde.

In Mozarts Streichquintett gesellte sich der Bratscher des Kuss Quartetts (William Coleman) zu den Henschels, die auch hier den herberen Klang bevorzugten. Wunderbar durchhörbar, in schönem Legato, verschränkten sich die Stimmen im Andante, wobei sich das Cello kraftvoll gegen die Doppelbesetzung von Violine und Viola behauptete.

Als Zugabe vereinten sich dann die sechs Herren und zwei Damen von Henschel und Kuss zum Doppelquartett und intonierten Schostakowitschs Oktett op. 11 bei sicherem, sensiblem Reagieren mit kraftvollem Elan und leidenschaftlichem Ausdruckwillen speziell im zweiten Satz. Das Publikum dankte schon am ersten der beiden Konzertabende (Samstag folgten Werke von Haydn, Schostakowitsch und Mendelssohn) begeistert.

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