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Nie ohne seinen Zylinder: Nick Woodland.

Porträt des Münchner Gitarristen

Nick Woodland und die Rolling Stones

München - Nick Woodland hat als Studiomusiker für Giorgio Moroder gearbeitet und ist auf Platten von Boney M. und Donna Summer zu hören. Hartnäckig hält sich auch das Gerücht, er hätte bei den Rolling Stones einsteigen können. Wie es wirklich war, erzählt der 65-Jährige in unserem Gespräch. 

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Mit Nick Woodland ein Gespräch über Nick Woodland zu führen, ist nicht leicht. Denn Woodland redet lieber über Musik und erweist sich dabei als eine Art wandelnde Enzyklopädie. Er hat alte Blues-Songs ebenso parat wie Lieder junger Künstler. Trotz seiner 65 Jahre ist der Brite neugierig und freut sich, wenn er neue Talente entdeckt. Gelegentlich klingt er fast wie ein Fan, dabei hat der Gitarrist selbst einen exzellenten Ruf. Er tourte etwa mit Marius Müller-Westernhagen und hat für Giorgio Moroder als Studiomusiker gearbeitet.

Woodland spielte in den legendären Musicland-Studios im Arabella-Haus

Nach dem Schulabschluss in München – der Vater war im diplomatischen Dienst – beschloss Woodland, Musiker zu werden. Das war 1972, und er ist begeistert von Rhythm’n’Blues. Die ersten Jobs haben damit wenig zu tun. In den legendären Musicland-Studios im Arabella-Haus arbeitet er mit Stars wie Boney M. und Donna Summer. Für Woodland ist das kein Problem. „Ich mag keine Engstirnigkeit und hasse diese Puristen, die nur Blues hören oder Jazz. Ich habe die Aufmerksamkeitsspanne eines Dreijährigen und würde mich langweilen, wenn ich den ganzen Abend nur eine Stilrichtung einhalten müsste.“ Tatsächlich spielt Woodland bei seinen Auftritten fast alles – außer Disco. Dass man diese Musik noch Jahrzehnte später hören würde, denkt er damals nicht. „Mein Schlagzeuger ist 34 und kann nicht glauben, dass ich da auf den Platten zu hören bin. Ich hab ihm gesagt: Es war nur ein Job. Dass Millionen Platten verkauft wurden – davon hatte ich leider sehr wenig.“

Keith Richards spielte Klavier 

Ende der Siebziger hört Woodland als Studiomusiker auf, er will seine Musik machen: erdigen Rock, beeinflusst vom Blues. Der Anfang ist hart. „Wir haben auch mal vor sieben Leuten gespielt. Aber das bringt dich vorwärts, weil du dich beweisen musst.“ Heute hat der Mann, der noch nie ohne Zylinder gesichtet wurde, längst eine treue Fangemeinde, auch in Österreich und der Schweiz. Doch dass Woodland nicht der große Star geworden ist, der er hätte werden können, liegt womöglich daran, dass ihn nur Musik interessiert und nicht das Showgeschäft. „Mein Job ist es, Lieder zu schreiben und aufzutreten. Und nicht Marketing.“ Sich mit Geschäftlichem befassen zu müssen, nervt ihn. „Vielleicht ein Fehler“, sagt Woodland und lacht. Auch als das Gespräch auf das hartnäckige Gerücht kommt, er hätte bei den Rolling Stones einsteigen können, lacht er, eher sarkastisch. „Ach, Bullshit. Die Stones hatten 1974 die Musicland-Studios drei Wochen gebucht, aber Moroder hat gemerkt, dass die sehr spät anfangen. Also hat er die Vormittage genutzt, um eigene Sachen einzuspielen. Einmal hatte er mich angerufen, um Demos aufzunehmen. Als wir fertig waren, kam Keith Richards rein. Er sah aus, als ob er zwei Tage nicht geschlafen hätte, und spielte ein bisschen Klavier. Wir haben ein paar Worte gewechselt, und ich bin nach Hause. Das war alles.“

Ein Riesenglück für uns, sonst könnten wir einen der feinsten Blues-Gitarristen des Planeten heute nicht im Lustspielhaus genießen – und feststellen, dass Woodlands Spezl Georg Ringsgwandl Recht hatte, als er sagte, man erfahre alles, was man über Woodland wissen müsse, wenn man ihn spielen hört.

Zoran Gojic

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