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Tim Bendzko beim Tourauftakt der "Night of the Proms".

Premiere vor vollem Haus

Night of the Proms: So schön laut kann die stade Zeit sein

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Ein Vierteljahrhundert „Night of the Proms“ im Münchner Olympiastadion: Die Kultur-Kritik unseres Redakteurs Jörg Heinrich, der bei der Premiere 2018 vor Ort war.

München - Es gibt diese Rituale, ohne die der Advent quasi ungültig ist. Kerzen anzünden, und ein Glaserl zu viel auf der Weihnachtsfeier – so will es der Brauch. Zu diesen Ritualen gehört seit einem Vierteljahrhundert auch die „Night of the Proms“, der klingende Adventskalender, der am Freitagabend in der ausverkauften Münchner Olympiahalle rauschende Premiere feierte (weitere Vorstellungen Samstag und Sonntag). Und wahrscheinlich würde das Christkindl ohnehin nicht mehr kommen, wenn es nicht John Miles mit seiner Schmacht- und Prachthymne „Music“ aus dem Winterschlaf wecken würde. Schön war’s, denn auch 2018 verbirgt sich hinter jedem Türchen eine Überraschung.

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Dirigentin Alexandra Arrieche: Brasilianerin im Dirndl

Und das mit den Türchen ist wortwörtlich gemeint. Denn am Anfang verstecken sich die furiose Dirigentin Alexandra Arrieche, Brasilianerin im Dirndl, und ihre Musiker hinter Gitterwänden, die als Videoleinwand dienen. Aber dann: Macht hoch das Tor – hier kommen die Proms! Mit Dvořáks „Neuer Welt“ und mit Flötenclown Gabor, der mit Nasenlöchern und Mund vierstimmig flöten kann, geht’s klassisch schwungvoll los, bevor der erste Popstar auf die Bühne darf.

John Miles beim Tourauftakt der "Night of the Proms".

Tim Bendzko, der sensible junge Mann, dessen Texte sich so perfekt als Wandtattoo eignen, gewinnt mit Orchester an Saft und Kraft. Und als er „Nur noch kurz die Welt retten“ will, singt München zum ersten Mal mit. Danach die ganze Weihnachts-Wunderwelt der Proms. Donauwalzer, „Babylon Berlin“ und der belgische Singer-Songwriter Milow, der seinen Hit „You don’t know“ mitten im Publikum anstimmt. Das ist „Best of Musik“ aus drei Jahrhunderten.

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Othmer mit FC-Bayern-Seitenhieb

Nach der Pause dann Roxy-Music-Superstar Bryan Ferry, der Dandy, der „Beau Frost“ dieses Proms-Winters. In München klingt er nicht mehr so verschnupft und verkühlt wie auf den letzten Stationen. Der 73-Jährige glänzt mit Grandezza und mit Hits wie „Avalon“ oder einem prächtig rockenden „Let’s stick together!“ Gesagt, getan: Die Proms und ihre Fans blieben auch nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch zusammen – für Maestro Miles und für die Pointer Sisters, das wandelnde Mehr-Generationen-Haus mit Sängerinnen aus allen Altersschichten. „I’m so excited“, na logisch! Aufregend war’s, und „die Würde der Proms bleibt unantastbar“, so Moderator Markus Othmer mit kessem FC-Bayern-Seitenhieb. So schön laut kann die stade Zeit sein.

Jörg Heinrich

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