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Nachtkritik

Night of the Proms: Eine akustische Villa Kunterbunt

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München - Am Freitag startete die Night of the Proms in der Münchner Olympiahalle. Eine Nachtkritik über die Klassik-Pop-Sause mit "Good Vibrations".

Weihnachten ohne Schnee – daran haben wir uns gewöhnt. Aber Weihnachten ohne Proms – das ist undenkbar. Ungefähr seit dem ersten Erscheinen des Sterns von Bethlehem gehört die Night of the Proms zum Münchner Advent dazu. Am Freitag hatte die Klassik-Pop-Sause in der Olympiahalle Premiere, Samstag und Sonntag geht es weiter. Und auch heuer bringt die akustische Villa Kunterbunt musikalisch alles zusammen, was nicht zusammengehört – was aber trotzdem Riesenspaß macht. Zum Beispiel, wenn Proms-Präsident John Miles die köstliche Idee hat, „Wrecking Ball“ von Skandalnudel Miley Cyrus zu singen. Oder wenn der poppige neue Mädchen-Chor Scala Andreas Bourani anstimmt. Ein Hoch auf uns, auf dieses Promsen!

Nach einem kurzen Gruß Richtung Paris („Nous sommes tous Français“) eröffneten die Scala-Ladies die Glitzerfete mit dem „Hanging Tree“ aus den „Tributen von Panem“. Danach galt: Schick, Tschaikowsky – mit dem „Blumenwalzer“. Wie gesagt: Erlaubt ist hier alles, was zwischen zwei Ohren passt.

Und im diesjährigen Proms-Stollen stecken noch mehr Rosinen: Norwegens Pop-Fee Maria Mena, deren Namen nicht jeder kennt, deren Hits wie „All This Time" aber jeder im Ohr hat. Sie bezauberte ohne Schuhe – aber mit Stimme. Dann: YouTube-Tenor Fernando Varela, der beim „Nessun dorma“ zeigte, dass er die Halle sogar ohne Mikrofon mitreißen kann. Später Hamburgs Pop-Perle Johannes Oerding, der die Zuhörer mit „Alles brennt" kaum weniger begeisterte, als es seine Herzdame Ina Müller geschafft hätte. Und bewährte 80er-Mucke („Maid Of Orleans“) mit OMD.

Ganz am Ende, nach Redaktionsschluss, waren dann noch die kalifornischen Senior-Surfer angekündigt – die Beach Boys, die mittlerweile 54 sind (die Band, nicht die einzelnen Mitglieder). Von den vorherigen Tournee-Orten war zu hören, dass die alten Knaben noch recht rüstig sind. Auch wenn ihr exzentrisches Genie Brian Wilson zuhause blieb – für „Good Vibrations“ war gesorgt.

Jörg Heinrich

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