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Nikolaus Bachler, Intendant der Münchner Staatsoper.

Opernintendant: „Causa Nikitin ist verlogen“

München - In heftiger Weise hat Münchens Opernintendant Nikolaus Bachler die Affäre um Evgeny Nikitin kommentiert. Der Bariton ist schon mehrfach im Nationaltheater aufgetreten – und wird dies auch wieder tun.

Ab 11. November ist er als Telramund in Wagners „Lohengrin“ zu erleben. Wie berichtet, hat Nikitin auf Druck der Bayreuther Festspielleitung die Titelrolle im „Fliegenden Holländer“ abgesagt. Ihm wird vorgeworfen, dass er früher ein Hakenkeuz-Tattoo hatte. Hier Bachlers Stellungnahme in Auszügen:

„Ich sehe in der Causa Nikitin mehr ein Problem Bayreuths und der Wagner-Familie als eines des Sängers. Dass die Torheit eines 16-jährigen Rocksängers, der diese längst bereut und versucht hat, ungeschehen zu machen, ausgerechnet von der Wagner-Familie geahndet wird, finde ich verlogen. Man zeigt offenbar mit dem Finger auf jemanden anderen, weil man mit der eigenen Geschichte ein Problem hat. Nikitin hat in seinen Aussagen den Vorfall nicht nur bedauert, sondern auch Reue gezeigt. Eine Reue, die ich von der Familie Wagner in den letzten 50 Jahren nie vernommen habe. Wenn die Festspielleitung schon den Entschluss fasst, den Sänger aus der Produktion zu nehmen, hätte man auch eine andere Vorgangsweise wählen können. Eine gemeinsame Pressekonferenz wäre wohl ein angemesseneres Mittel gewesen, als Nikitin zum Rücktritt zu nötigen und somit den Ruf des Sängers zu beschädigen.“ Anders reagierte „Holländer“-Dirigent Christian Thielemann. Der „BZ“ sagte er: „Ein Hakenkreuz geht nie, nicht nur in Bayreuth.“ Nikitin habe die Frage, ob er ein solches Tattoo habe, verneint. „Er hätte sagen müssen: Ja, da war mal eins, das ich mir in einem Anfall von Idiotie stechen ließ. Jetzt ist es übermalt.“ Thielemann kritisierte Nikitins Management: „Wie kann man einen Sänger so ins Messer laufen lassen?“  

th

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