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„Jetzt bin ich zu Hause angekommen“: Bratschist und Hochschul-Professor Nils Mönkemeyer (34).

Nils Mönkemeyer im Proträt

"Die Welt erklingen lassen"

München - Er ist ein Star der Klassikszene – und das nicht unbedingt mit einem hochpopulären Instrument: Nils Mönkemeyer, Bratschist und seit 13 Jahren in München wohnend, hat nun eine Zusatzaufgabe übernommen – als Professor an der hiesigen Musikhoschule.

„Da ist es!“ Zwei, drei Töne sind es oft nur, die beim Vorspiel zur Aufnahmeprüfung an der Musikhochschule herausblitzen und dem lauschenden Professor das Besondere an einem Bewerber verraten. „Ich liebe diesen Moment“, strahlt Nils Mönkemeyer, der Bratschen-Star, der seit einiger Zeit eine Professur an der Münchner Hochschule innehat. So, wie er sich dafür begeistert, junge Talente zu entdecken und bei ihrer Entwicklung zu begleiten, scheint er der ideale Lehrer. „Es ist wunderbar, die David-Statue im Felsblock zu erkennen – oder die Individualität eines Schülers wahrzunehmen, wenn er selbst von sich oft noch gar nichts weiß...“

Unterrichten ist für den gefragten Solisten keine Nebenbeschäftigung, sondern eine echte Aufgabe, der er sich mit „Zeit und Hingabe“ widmet. Schon von 2005 bis 2008 lehrte Mönkemeyer an der Hochschule Reina Sofia in Madrid. 2009 avancierte er dann zum Professor an der Musikhochschule in Dresden, und „jetzt bin ich zu Hause angekommen“, sagt der Musiker, der an der Münchner Hochschule studierte und seit 13 Jahren in der Au lebt. Dass er nun Kollege seines ehemaligen Professors Hariolf Schlichtig ist, empfindet der 34-Jährige als großes Privileg. „Jemanden an der Seite zu haben, der mich gut kennt und viel Erfahrung hat, das gibt mir ein sicheres Gefühl.“

Als einen weiteren Lehrer-Pluspunkt verbucht Mönkemeyer seinen verhältnismäßig späten Wechsel zur Bratsche. „Ich komme ja von der Violine, und als ich im fortgeschrittenen Alter das Instrument wechselte, habe ich alles noch einmal gründlich hinterfragt. So näherte ich mich der Bratsche emphatisch und analytisch zugleich.“ Und das kommt heute seinen Schülern zugute. Warum Mönkemeyer den Umweg über die Geige nahm, ist ganz einfach zu erklären: Er wusste als Bub, der nahe Bremen auf dem Lande aufwuchs, gar nicht, dass es eine Bratsche gibt. Zum Geigenspiel verlockte ihn Gidon Kremer via Schallplatte. Die Unterstützung seiner Eltern war Mönkemeyer allerdings von Anfang an sicher, da beide Künstler sind: Der Vater ist Jazz-Gitarrist und die Mutter Textilkünstlerin.

Als Zwölfjähriger pausierte der junge Geiger erst einmal. Er brach den Unterricht ab, spielte eigenständig weiter und nahm ihn zwei Jahre später wieder auf. Gottlob merkte die neue Lehrerin gleich, dass ihm wohl die Bratsche besser liegt. „Ich wollte auf meinem Instrument die Welt erklingen lassen, die in mir drin steckt, und Geschichten erzählen“, beschreibt Mönkemeyer seine damalige Suche. „Die Geige als mein Ausdrucksmittel klang immer so, als würde sie nicht zu meiner Geschichte passen.“ Mit der Viola fühlte er sich gleich ganz anders. „Da spürte ich, jetzt kann ich gut werden.“

Er wurde es. Und steht heute als einer der wenigen Solo-Bratscher auf den Podien der großen Musikzentren. Aber auch das ergab sich erst allmählich. Denn das Bratschen-Studium prädestiniert nicht für eine Solo-Karriere, sondern führt normalerweise direkt ins Orchester. Das war auch Nils Mönkemeyers Ziel. Bis er entdeckte, dass ihm – schon im Bundesjugendorchester – das Spiel im Kollektiv größten Stress bereitete. „Meine intensive Stimme störte in der Gruppe. Außerdem versuchte ich, noch vom letzten Pult aus die Geschicke zu lenken. Das ging alles gar nicht…“

Also wechselte er ins entspannte Solo-Revier, wo die Bratsche mit schmalem eigenem Repertoire nur eine untergeordnete Rolle spielt. Aber dann ging doch alles ganz schnell. Mönkemeyer widerspricht: „Das sieht nur von außen so aus. Ich habe viel gearbeitet vorher, aber als sich dann die Aufmerksamkeit auf mich richtete, ich Preise gewann und Sony mir einen Exklusiv-Vertrag anbot, da war ich gefestigt und zu all dem wirklich bereit.“

Mittlerweile steht Nils Mönkemeyer an rund 80 Abenden pro Jahr auf der Bühne, spielt nicht nur Solo-Recitals, sondern musiziert immer wieder mit Kollegen. Wenn Julia Fischer mit ihrem Quartett auftritt, ist er dabei, auch mit Pianist William Youn, Geigerin Veronika Eberle oder Cellist Maximilian Hornung trifft er sich gern zur Kammermusik. In letzter Zeit beschäftigt sich Mönkemeyer intensiv mit Barockmusik, die er mit zeitgenössischen Klängen konfrontierte. So auch auf seiner neuen CD „Bach und Mehr“ (siehe CD-Kritik). Und sein Traum wäre ein maßgeschneidertes Bratschenkonzert. Von wem? „Ach, es gibt viele wunderbare Komponisten, etwa Sofia Gubaidulina oder Unsuk Chin, Jörg Widmann oder Matthias Pintscher…“ Klingt vielversprechend. Wir warten.

von Gabriele Luster

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