Nimm zwei: Kultureller Ehrenpreis an Dorst/ Ehler

- "Wenn denn das Theater Leben ist . . .", sagte/ fragte Ursula Ehler, bevor sie - als Dank - einen kleinen Text vorlas über Schauspieler. Dass das Theater Leben ist, aber war ganz offenbar bei der Verleihung des Kulturellen Ehrenpreises der Stadt München im Alten Rathaus.

Ein Novum in der 48-jährigen Geschichte dieser Auszeichnung: Erstmals ging sie an zwei Persönlichkeiten - nämlich an den Dramatiker Tankred Dorst ("Merlin") und seine Co-Autorin und Ehefrau Ursula Ehler. Zur Lobpreisung sprachen OB Christian Ude, der launig aus seinem, vor 40 Jahren in einer Schüler-Zeitung erschienenen Dorst-Artikel zitierte, sowie Hanser-Verleger und Schriftsteller Michael Krüger, der die Laudatio hielt. "Große Kunstwerke haben an entscheidender Stelle einmal Glück gehabt", berief er sich auf Adorno und traf damit exemplarisch die oft unverhoffte politische Brisanz, die viele Dorst-Stücke ("Große Schmährede", "Toller", "Herr Paul") zur Zeit ihrer Uraufführung aktuell erhielten. Darüber hinaus sparte Krüger aber nicht mit Kritik an der Stadt, die erst den 80. Geburtstag Dorsts zum Anlass brauchte, ihn zu würdigen: Im Gegensatz zu dem komplexen Werk von Dorst und Ehler wirke der Kulturelle Ehrenpreis, so der Laudator, "wie ein verspäteter Schluckauf".

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