Nirwana im Münchner Unterton

- Urlaub im Süden kann man im Reisebüro buchen, warum also nicht auch eine solide Seelenwanderung? Ein schöner Einfall, der aber natürlich kein ganzes Stück trägt. Trotzdem wagen es Jörg Maurer und Gabi Lodermeier in ihrem gemeinsamen Programm "Kleine Grausamkeiten". Ein Titel, der, vom Ende dieses Abends im Münchner Unterton her betrachtet, als doppeldeutig aufgefasst werden muss.

Ein Maler will ins Jenseits, am Ende bleibt der Strick, der ihn dorthin befördern soll, unbenutzt, was nicht zuletzt mit der Unfähigkeit des Verkaufspersonals zu tun hat, das Geschäft zügig abzuwickeln. Reichlich Gelegenheit für Maurer und seine Partnerin, im Sinne der Ausgangssituation in andere Rollen, andere Leben zu schlüpfen.<BR><BR>Da wird ein bisschen parodiert (Konstantin Wecker, Herbert Achternbusch), da dialektelts recht nett, da bewegt man sich ziellos und oberflächlich zwischen den bizarren Blüten von Esoterik und Übersinnlichem. Klavier gespielt und gesungen wird auch, und hier zeigt sich besonders deutlich, wie schade es ist, seine Talente an ein konzeptlos hingeschludertes Programm zu verschwenden.<BR><BR>Denn Lodermeier, herrlich changierend zwischen Zicke und Trampel, kann mehr, als sie hier zeigen darf. Und auch Maurer, der wie ein zerstreuter Zausel durchs eigene Werk zu irren scheint, hat das Potenzial, einen literarisch-musikalischen Abend der Extraklasse auf die Beine zu stellen. Diese Seelenwanderung aber endet im Nirwana.<BR><BR>Naja, vielleicht "im nächsten Leben" . . .<BR><P>Bis 30. Oktober, jeweils 20. 30 Uhr. Kartenbestellung ab 17 Uhr unter Tel. 089/33 39 33.</P><P> </P>

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