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Christoph Eschenbach.

Ernst von Siemens Musikpreis

"Nobelpreis der Musik" für Christoph Eschenbach

München - Die Musik gab Christoph Eschenbach einst seine Stimme wieder. Dann stellte er sein Leben in ihren Dienst. Dafür bekommt der Dirigent und Pianist in diesem Jahr den Ernst von Siemens Musikpreis.

Der Dirigent und Pianist Christoph Eschenbach (75) ist am Sonntagabend im Herkulessaal der Münchner Residenz mit dem renommierten Ernst von Siemens Musikpreis ausgezeichnet worden. „Christoph Eschenbach ist für mich ein herausragender Musiker, ob als Pianist oder als Dirigent. Aber er ist auch eine große Persönlichkeit, ein Star ganz ohne Allüren, ein Mann der leisen Töne, ein stiller Star - und doch ganz groß“, schrieb Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt in einem Essay anlässlich der Preisverleihung. „Was für eine Lebensleistung in den ersten 75 Jahren.“

Eschenbach selbst sagte zur renommierten und mit 250.000 Euro dotierten Auszeichnung: „Preise sind das Tüpfelchen auf dem I für jeden Schaffenden.“ Der Ernst von Siemens Musikpreis aber habe „einen ganz besonderen Wert und ich bin stolz, diese Ehrung zu erhalten“.

Eschenbach sei eine künstlerische Ausnahmeerscheinung und ziehe nicht nur vom Dirigentenpult herab immer wieder aufs Neue Orchester, Solisten und Publikum in seinen Bann, hieß es in der Begründung der Ernst von Siemens Musikstiftung zur Preisverleihung. Er überzeuge dabei als Dirigent genauso wie als Pianist.

Der 1940 in Breslau geborene Pianist und Dirigent stellte sein Leben ganz in den Dienst der Musik. Eschenbachs Mutter starb bei der Geburt, der Vater wenige Jahre später in einem Strafbataillon an der Kriegsfront. Mit fünf Jahren verlor Eschenbach auch seine Großmutter.

Die Adoption durch Wallydore Eschenbach, eine Cousine der leiblichen Mutter, empfand Eschenbach als Rettung. Die Sängerin und Pianistin brachte dem verstummten Kind die Musik nahe. Diese habe seinem Leben den Sinn zurückgegeben, sagt Eschenbach. „Ich bin deshalb dankbar, ganz in ihrem Dienst zu stehen.“

Insgesamt vergibt die Stiftung drei Millionen Euro an Preis- und Fördergeldern. Jeweils 35 000 Euro gehen als Förderpreise an drei junge vielversprechende Komponisten.

dpa

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