Noch eine Erden-Runde drehen: "Im Himmel ist kein Zimmer frei"

München - Mögen die Besucher des Kirchentages in München den Himmel aus vielen Gründen anrufen - in der Komödie im Bayerischen Hof amüsieren sich die Zuschauer derweil bei dem Stück "Im Himmel ist kein Zimmer frei".

Der Weg vom Marienplatz bis zum Bayerischen Hof wäre kurz, ist aber diesmal lang: Immer wieder schaut man in freundlich-ratlose Gesichter der Kirchentagsbesucher (kleiner Rucksack auf dem Rücken, den orange Schal je nach Temperament um Hals, Taille, Bein drapiert), denen man den Weg zum Wachszieher, zur nahen Barockkirche, zur bayerischen Volkstanz-Trachtengruppe zeigen muss. Am Tag der Eröffnung des Kirchentags lässt sich aber auch die Kleine Komödie nicht lumpen; selbst in ihrer Premiere spielt der Himmel mit.

„Heaven, I'm in heaven" singt Fed Astaire. Ein Crash, und auf der sahnig-weißen Bühne (Pit Fischer) erscheint der etwas ramponierte Pierre Serval in Gestalt des Publikumslieblings Jacques Breuer. Ein tödlicher Autounfall hat ihn soeben in den himmlischen Empfangsraum katapultiert, dem der heilige Petrus vorsteht. Der aber weist den Neuankömmling ab: „Der Computer ist kaputt. Sie stehen nicht auf dem Lieferschein", und daher ist (so heißt das Stück) „Im Himmel kein Zimmer frei".

Pierre muss wieder runter, noch eine Runde drehen auf der Erde. Dumm nur, dass sich inzwischen sein Freund und Compagnon André in der Hoffnung auf eine sturmfreie Bude bei ihm einquartiert hat. Da wird es eng mit zwei Männern und zwei Frauen, die alle nicht mehr so recht wissen, wer zu wem gehört.

Jean Stuart, der Autor, beherrscht die Tricks des Komödienhandwerks - hinter jeder Tür der Falsche. Ganz so spannend wie sein eigenes Leben (er war Rennfahrer, auch mal in Afrika bei Albert Schweitzer und kam erst später, angeregt von George Simenon zum Schreiben) kriegt er den Plot allerdings nicht hin. Das ist alles bis in die letzte Dialogwendung sehr vorhersehbar, und der Regisseur Manfred Langner hat über den perfekten Ablauf hinaus nichts getan, um dem Publikum ein paar Nüsse zum Knacken zu verstecken.

Dafür arbeitet er mit Überdruck, den ein so facettenreicher Schauspieler wie Breuer überhaupt nicht nötig hätte. Arzu Ermen als Ines gerät vor lauter Spieleifer ins bloße Grimassieren. Da arbeitet Viola Wedekind (Sophie) schon mit feinerem Griffel, und auch Udo Thies fächert als André einige Farben mehr auf.

Wenn sich die Premierennervosität gelegt hat, kommen vielleicht alle noch an die angenehme Zimmertemperatur von Jochen Stern (Petrus) heran, der eben nicht übertreibt und damit der beste Komödiant ist.

Beate Kayser

Weitere Vorstellungen bis 3. Juli;

Telefon 089/ 29 16 16 33.

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