Nur noch eine Formsache

- "Auf Wiedersehen!" So verabschiedete er sich aus der Pressekonferenz. Keine Floskel, vielmehr eine Anspielung. Denn alles läuft darauf hinaus, dass Jürgen Flimm heute zum Salzburger Festspiel-Intendanten ab 2007 und damit zum Nachfolger Peter Ruzickas gekürt wird. Die Sitzung des Kuratoriums, die um 11 Uhr beginnt: nur noch eine Formsache.

<P>Aus dem Rennen sind damit hochkarätige und ambitionierte Kandidaten wie Burgtheater-Chef Klaus Bachler, Pierre Audi (Chef der Nederlandse Opera), Münchens Opern-Intendant Peter Jonas (der seine Bewerbung zurückgezogen hatte) und der Dirigent Franz Welser-Möst. Wobei Flimm, der seit einigen Tagen schon inoffizielle "Regierungserklärungen" abgibt, mit dem aufstrebenden Pultstar viel vorhat: "Welser-Möst sollte in Salzburg seinen festen Platz haben", sagte Flimm der Zeitung "Die Presse". Denkbar wäre eine ähnlich zentrale Stellung, wie sie zurzeit Nikolaus Harnoncourt innehat oder dem verstorbenen Giuseppe Sinopoli eingeräumt werden sollte.</P><P>Ein Konzertchef aus Wien</P><P>Doch zunächst wird Flimm, Salzburgs scheidender Schauspiel-Chef, für drei Jahre in Deutschland jobben - als Intendant der Ruhrtriennale und damit als Nachfolger Gerard Mortiers, der seinerseits Salzburg zehn Jahre lang prägte. Für Flimm ein gut dotiertes Intermezzo, für die Kulturszene indes eines der interessantesten, auch heikelsten Ämter überhaupt.</P><P>Kommt Flimm nach Salzburg zurück, bleibt wohl auch Festspiel-Präsidentin Helga Rabl-Stadler. Eigentlich sollte erst 2005 mit ihr über eine Verlängerung des Vertrages gesprochen werden. Doch Rabl-Stadler, fürs Repräsentieren und fürs Umgarnen der Sponsoren zuständig, pflegt beste Kontakte zu Flimm, mit Ruzicka verbindet sie eher ein geschäftsmäßiges Nicht-Verhältnis.</P><P>Neben einem Intendanten Flimm wird es auch wieder einen Konzertchef geben. Und die Wiener Philharmoniker, von Mortier ausgebremst und mittlerweile wieder Platzhirsche an der Salzach, entsenden hierfür offenbar ihren Klarinettisten und Geschäftsführer Peter Schmidl. Er ist seit 1965 im Orchester, leitet noch das Pacific Music Festival im japanischen Sapporo und würde seine philharmonischen Funktionen bei einer Berufung nach Salzburg niederlegen. Was nichts daran ändern dürfte, dass an Wiens Elite-Musikern künftig nichts mehr vorbeiläuft - auch nicht die Verpflichtung von Gastorchestern.</P><P>Als Chefin des Schauspiels unter Flimms Ägide wird Andrea Breth gehandelt. Mit Schnitzlers "Weitem Land" bescherte die Regisseurin den Festspielen 2002 einen Riesenerfolg. Übrigens eine Aufführung, die ausschließlich und exklusiv in Salzburg lief, also keine jener Koproduktionen, die derzeit den Festspiel-Charakter verwischen und infrage stellen.</P><P>Auf solches setzt (noch?) der amtierende Schauspiel-Chef Martin Kusej. Er kündigte für nächstes Jahr Horvá´ths "Geschichten aus dem Wienerwald" in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Staatsschauspiel an (Regie: Barbara Frey), Kleists "Penthesilea" als Koproduktion mit dem Hamburger Thalia Theater (Stephan Kimmig) und Grillparzers "König Ottokars Glück und Ende" in einer Fassung des Wiener Burgtheaters und in seiner eigenen Regie.</P><P>Neue Buhlschaft im "Jedermann" wird Nina Hoss, sie löst Veronica Ferres ab. Kusej will die Inszenierung Christian Stückls, der sich von Salzburg zurückzieht, selbst betreuen.</P><P>Flimm also Chef in Salzburg. Der frühere Intendant des Thalia Theaters und Ex-Vorsitzender des Deutschen Bühnenvereins steht nicht gerade für künstlerischen Aufbruch. Aber vielleicht ist Kasse statt Klasse genau das, was man in Salzburg anstrebt. Nikolaus Harnoncourt, mit Flimm gut befreundet, hat sich über die ganze Sache seine hintergründigen Gedanken gemacht: "Das Problem bei der Intendanten-Suche sind die Sucher. Die guten Intendanten gibt es ja. Aber wenn's keine guten Sucher gibt, dann finden sie schlechte Intendanten."</P>

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