Noch einige Kaninchen im Hut

München - Das Münchner Museum Brandhorst an der Türkenstraße soll bald eröffnet werden. Einen Chef hat man schon erkoren: Armin Zweite (66). Der renommierte Museumsmann kehrt damit nach München zurück. Er prägte von 1974 bis 1990 nachdrücklich die Städtische Galerie im Lenbachhaus; stand auch den legendären Streit um Joseph Beuys' Installation "Zeige Deine Wunde!" erfolgreich durch.

Danach war er bis Ende 2007 Direktor und Stiftungsvorstand der Kunstsammlung Nordrhein Westfalen in Düsseldorf. Die Udo und Anette Brandhorst Stiftung vertraut nun ebenfalls auf Zweite als Direktor und Geschäftsführer der Stiftung. Er soll die Sammlung ausbauen und präsentieren.

-Weiß man jetzt, wann genau das Museum eröffnet wird?

Von Reinhold Baumstark, Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, habe ich erfahren, dass der Termin im Oktober wohl nicht zu halten ist. Es wird Frühjahr 2009 werden. Die Klimatechnik muss noch überprüft werden. Und: Für die Installierung der Sammlung muss man sich einfach Zeit lassen.

-Wie ist die personelle Besetzung?

Das Personal wird vom Staat gestellt. Es wird Restauratoren, Wissenschaftler und eine technische Mannschaft geben. Die Ausschreibung erfolgt nun.

-Sie könnten der Freiheit und Muße des Pensionärslebens frönen. Was fasziniert Sie so an der Sammlung Brandhorst, dass Sie das aufgeben?

Das hängt mit meiner Düsseldorfer Geschichte zusammen. Solange ich dort gearbeitet habe, sollte das Haus erweitert werden. Die Politiker sagten stets ja zur Vergrößerung, aber es wurde nichts daraus. Auch unter Ministerpräsident Rüttgers, der die Erweiterung unterstützte, gab es wegen archäologischer Funde aus dem Mittelalter Verzögerungen. Ich will nicht sagen, dass ich enttäuscht war, aber man kommt ins Nachdenken, wie es weitergehen soll. Und da kam der Anruf aus München. Im übrigen wollte meine Frau hierher. Ich kenne Udo Brandhorst gut. Bei der Beuys-Hommage 1986 in München kamen Leihgaben von ihm. In Düsseldorf saß er in der Ankaufskommission. Er weiß, was er von mir zu halten hat.

-Worin liegt nun der Reiz, sich diesen Neuanfang anzutun?

Ja, es ist eine große Herausforderung. Ich verändere mich wirklich, denn ich gehe weg von der Klassischen Moderne und widme mich der aktuellen Kunst; allerdings nicht gerade derjenigen frisch vom Kunstmarkt. Warhol ist ja einer der wichtigsten Künstler des 20. Jahrhunderts. Und Cy Twombly entwickelt sich im Alter von 80 immer noch fulminant.

-Der Bayerische Staat hat der Sammlung ein Haus gebaut und baut zugleich darauf, am Geld der Stiftung zu partizipieren. Nun haben Sie aber den entscheidenden Einfluss. Haben Sie sich deswegen mit den Kollegen von den Staatsgemäldesammlungen ausgetauscht?

Es ist deren Fatalität, dass es so gut wie keinen Ankaufsetat gibt. Rund 40 000 Euro - das ist unfassbar, eigentlich ein Skandal. Es wäre aber falsch, die ganze Hoffnung auf die Sammlung Brandhorst zu setzen. Sie wird eigenständig operieren. Ich werde allerdings immer sehen, dass die Sammlung der Pinakothek der Moderne (PDM) ergänzt und verstärkt wird. Darüber hinaus soll Neuland betreten werden.

-Die Sammlung soll wachsen. Wie groß ist der Einfluss von Brandhorst, wie groß der der Staatsgemäldesammlungen/ PDM? Fühlen Sie sich nicht wie zwischen Mühlsteinen?

Ich bin optimistisch. Alle haben ihren guten Willen bekundet. Udo Brandhorst hat entscheidend mitzureden. Wir haben bereits Ankäufe getätigt - ein kurzer Anruf bei ihm genügte. Das hat mich beflügelt.

-Was haben Sie erworben?

Das verrate ich nicht. Wir wollen doch noch Kaninchen aus dem Hut zaubern. Es geht um einen bildhauerischen Werkkomplex und um Neue Medien. Gerade die Videos und Videoinstallationen sollten nicht unserer Aufmerksamkeit entgehen. Da gibt es in der Sammlung bislang nichts. Diesen Pfad will ich verfolgen.

-Wie nähern Sie sich der Auftakt-Ausstellung? Nach welchen Gesichtspunkten entwickeln Sie sie?

Vor einigen Tagen haben wir eine großes Modell bekommen. Wir bauen es jetzt aus. Das habe ich mit Carla Schulz-Hoffmann von der Pinakothek der Moderne schon besprochen. Ein Schwerpunkt ist Twombly. Der große Saal im Kopfbau des Museums ist ja für seinen Lepanto-Zyklus vorgesehen. Der andere Schwerpunkt wird Warhol sein. Bis alles festgelegt ist, werden noch viele Gespräche geführt. Natürlich auch mit Brandhorst selbst. Sicher werden teilweise Räume in Pappe nachgebaut, damit wir schonend ausprobieren können, wie die Werke wirken. Es wird nicht alles auf Anhieb sitzen.

 Wir wollen zunächst die Sammlung präsentieren: Das Publikum wird staunen! Sie hat sich verändert im Vergleich zu der Schau 2000 im Haus der Kunst. Später dann sollen Projekte entwickelt werden entweder nur fürs Brandhorst-Museum oder in Kooperation mit der PDM. Ich setze auf Zusammenarbeit, wobei die Profile der beiden Häuser nicht verwässert werden dürfen.

-Und wo finden zum Beispiel die Künstlerbücher von Picasso ihren Platz?

Zunächst einmal will ich die Momente betonen, die an die PDM anschließen: die Höhepunkte der zeitgenössischen Sammlung. Ich denke, das wird auch erwartet. Deswegen wollte Bayern die Sammlung in München beheimatet sehen.

-Sagen Ihnen die Räumlichkeiten, der Baustil der Architekten Sauerbruch und Hutton zu?

Das Haus musste mir architektonisch gefallen, sonst wäre ich nicht ans Museum Brandhorst gegangen. Die Räume werden, glaube ich, sehr schön: Es wird ein wunderbares Haus werden.

-Was vor allem wünschen Sie sich für Ihr Baby?

Dass es schnell erwachsen wird und laufen lernt. Das Gebäude hat durchaus Signalwirkung. Aber man muss bedenken, zeitgenössische Kunst ist zwar sehr marktgängig, das gilt jedoch nicht für die Allgemeinheit. Man muss die Menschen erst in solch ein Haus bringen. Ich wünsche mir, dass das Publikum unsere Anstrengungen honoriert.

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