Vor dem Tod noch was erleben

München - Rob Reiner kann alles. Der Regisseur gehört zweifellos zu den bekanntesten und verlässlichsten Größen in Hollywood. Seinen Namen verbindet man jedoch im Gegensatz zu vielen Kollegen nicht mit einem prägnanten eigenen Stil, sondern mit solide gefertigter Unterhaltung - quer durch sämtliche Genres.

Reiners Filmografie weist zwar viele kitschige Belanglosigkeiten auf, aber eben auch Produktionen wie "Harry und Sally", "Misery", Stand By Me - Das Geheimnis eines Sommers" oder "Eine Frage der Ehre", seine erste Zusammenarbeit mit Jack Nicholson. Dem hat Reiner diesmal den Part des missgelaunten Nörglers zugedacht. Allerdings nur für zwanzig Minuten. So lange dauert es, bis aus den beiden alten Männern Edward (Nicholson) und Carter (Morgan Freeman) Freunde werden.

Famose Hauptdarsteller, aber eine einfallslose Regie bei "Das Beste kommt zum Schluss"

Der schwerreiche Edward und der einfache Automechaniker Carter lernen sich auf der Onkologiestation des Krankenhauses kennen. Beide leiden zwar an unterschiedlichen Krebsarten, die Diagnose sieht aber ähnlich düster aus: Ein halbes Jahr haben sie noch zu leben. Vielleicht weniger. Der baldige Tod räumt die Standesunterschiede und damit verbundenen Lebensentwürfe komplett beiseite. Gemeinsam erstellen die frisch gebackenen Freunde eine Liste, was sie unbedingt noch erleben wollen - vom Fallschirmflug über die Weltreise bis zum Autorennen. Dank Edwards Millionen brechen sie unverzüglich auf.

Leider fällt Reiner zu seinen famosen Hauptdarstellern nicht mehr ein, als sie so zu zeigen, wie man jeden von ihnen schon oft gesehen hat: Freeman gibt wieder einmal den sanften Gutmenschen aus bescheidenen Verhältnissen, der mit Mutterwitz und einer praktischen Intelligenz in vielen Wortgefechten punkten darf. Jack Nicholson, der in "Das Versprechen" oder "About Schmidt" bewiesen hat, dass ihm andere Facetten bestens stehen, muss einmal mehr den charmant-arroganten Mistkerl spielen, der tief innen natürlich ein richtig guter Kumpel ist. Das kennt man aus "Besser geht's nicht" oder "Was das Herz begehrt" - sogar besser. Denn Reiner hat sich seinen Superstars anscheinend nur kniend genähert, so wenig hat die Regie den beiden entgegenzusetzen.

Da schalten zwei verlässliche Größen auf Autopilot, und der gesamte Film wird rund um deren routiniertes, kalkuliertes Spiel arrangiert. Dialoge, Gags, Nebenrollen - alles hat sich dem in "Das Beste kommt zum Schluss" blassen Star-Appeal von Nicholson und Freeman unterzuordnen. Das mag in den Anfangsszenen noch funktionieren, langweilt aber schon, bevor die zwei den ersten Gipfel im Himalaja bezwungen haben. Wenigstens vor Fortsetzungen im Stile von Bud Spencer und Terence Hill muss man aber dank des geschlossenen Plots keine Angst haben. (In München: Mathäser, Maxx, Arri, Royal, Münchner Freiheit, Rio, Rex, Cinema und Museum OV., Sendlinger Tor, Kino Solln.)

"Das Beste kommt zum Schluss" mit Morgan Freeman, Jack Nicholson

Regie: Rob Reiner

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