Noch mehr Kunst für Paris

- Unicef darf nach einem Urteil des Landgerichts Konstanz nun über die mehrere hundert Millionen Euro wertvolle Kunstsammlung des Stuttgarter Arztes Gustav Rau verfügen. Er war schwer krank vor einem Jahr fast 80-jährig gestorben. Unicef-Vorstand Dietrich Garlichs bestätigte in Köln das Urteil.

<P></P><P>Das Gericht hob die Nachlasspflegschaft für die knapp 750 Werke auf. Die Richter sähen es als erwiesen an, dass Rau geschäftsfähig gewesen sei, als er 1999 sein letztes Testament unterschrieben habe, so Garlichs. Darin begünstigt der Sammler Unicef als Alleinerben. Garlichs wies darauf hin, dass gegen das Urteil innerhalb eines Monats von der Gegenseite - jenen Schweizer Anwälten, von denen sich Rau 1997 getrennt hatte - noch Revision eingelegt werden könne. Bis die Entscheidung endgültig rechtskräftig sei, werde man keine Kunstwerke veräußern.</P><P>Die Genfer Anwältin Teresa Giovannini kündigte Widerstand an. Dass die Konstanzer Richter, den Letzten Willen Raus für gültig erklären, sei "außergewöhnlich überraschend". Der Streit um die Kunstsammlung - manche Schätzungen des Werts reichen bis zu 500 Millionen Euro - zieht sich bereits seit Jahren hin. Rau hatte seinen Besitz zunächst der "Crelona"-Stiftung in Liechtenstein und der mit ihr verbundenen "Stiftung Rau für die Dritte Welt" in der Schweiz versprochen, später aber Unicef als Erben eingesetzt. Giovannini bekräftigte ihre Ansicht, dass die Schenkung an Unicef und das Testament von Rau in nicht mehr geschäftsfähigem Zustand unterzeichnet worden sei.</P><P>Laut Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers (PWC) vom 10. April 2002 umfassen Schenkung und Nachlass Raus insgesamt 743 Gemälde, Skulpturen und Drucke. Dazu gehören Arbeiten von herausragenden Künstlern verschiedener Epochen - etwa von Fra Angelico, Lucas Cranach d. Ä., Giambattista Tiepolo, Auguste Renoir, Claude Monet, Paul Cé´zanne, Auguste Macke oder Max Liebermann. Eine Ausstellung der Sammlung war im Winter 2001/02 im Münchner Haus der Kunst zu sehen.</P><P>Dietrich Garlichs bezeichnete das Konstanzer Urteil als eindeutig und "doppelt genäht". Das Gericht habe Spekulationen über eine eventuelle Geschäftsunfähigkeit Gustav Raus ein Ende gesetzt, da er bereits 1999 Unicef als Erben festgelegt habe. Außerdem sei Rau nach einem rechtskräftigen Urteil aus dem Jahre 2000 geschäftsfähig gewesen. </P><P>Unicef will nach einer endgültigen Entscheidung folgendermaßen verfahren: Die Kernsammlung mit rund 150 besonders wertvollen Kunstwerken wird gemäß Raus Letztem Willen 25 Jahre ausgestellt. Hierfür sei in Paris das Musé´e du Luxembourg vorgesehen. Der französische Senat als Hausherr werde für die Kunstwerke Leihgebühren an Unicef entrichten. Nach dem Vierteljahrhundert wolle man dann die Kunstwerke veräußern und den Erlös der Unicef-Stiftung zukommen lassen. Sie soll jetzt zunächst das Geld erhalten, das aus der Versteigerung der übrigen Gemälde und Plastiken der Sammlung zusammenkommt.</P>

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