Nomade mit Hartz VII

- "Social fiction"? Das ist wahrscheinlich näher an der kurz bevorstehenden realökonomischen Wirklichkeit, als wir wahrhaben möchten. Gemeint ist Ralf Hinterdings "White Trailer Park Trash". Mit dem abschließenden Teil seiner Trilogie (Teil I "Dostojewski Blues", Teil II "Standortschließung") über die moderne Arbeitsgesellschaft ist ihm zwischen Agitprop und schräger Doku- Soap ein Abend gelungen, der dem Münchner pathos transport einen kräftigen Aufmerksamkeitsschub verschaffen sollte.

 Der bereits auf Hartz VI und VII gekommene, zum Global-Nomaden abgestiegene Mittelständler zieht im Wohnwagen der immer rarer werdenden Arbeit hinterher. Wir erleben diese Migranten- Existenz am Beispiel von Claudia, Alexandra und deren Ex: Teils wird das Hausen im Trailer (geparkt vor der Theatertür) nach innen video- projiziert, teils redet sich das Trio Emily Kraus, Esther Urbanski und Ralph Gander vorne am Mikrofon die Seele frei und Mut zu: "Doch schön im Wohnwagen, man kriegt was mit. Goldgräberstimmung".

So in dieser ironiesatten Art. Sie schwitzen als Putzkolonne, machen Brainstorming für neue Job- Ideen und bringen schließlich die Truderinger dazu, obwohl keine Gefahr nirgends, mit Bange-Machen-Tricks (welche, wird nicht verraten), sie als Sicherheitspersonal zu engagieren. Umwerfend hintersinnig komisch, dieser eingespielte Trudering-Film! Da ist noch Untermieter George aus Nigeria, der den Wachhund macht, kocht und im Trailer schlafen darf, wenn die anderen ausgepennt haben.

Uche Akpulu, hörbar kein Schauspieler, haut einem den "Asylanten"- Standpunkt knochentrocken um die Ohren. Auf ein vorwurfsvolles "Wir sind hier doch nicht in Afrika" kontert er "Aber Afrika ist ein Erzeugnis von Europa". Hinterdings Texte sind politkritisch, oft scharf vorgebracht, aber immer auch mit menschelnder Comedy abgefedert. Zum Knalleffekt-Ende wird’s auch mal rabenschwarz. Hingehen, anschauen.

28.-30. 9., 20.30 Uhr, Tel.: 089/ 12 11 10 75.

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