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Blättern in „Heimat“: Nora Krug (re.) und Moderatorin Doris Dörrie. 

Lesung im Münchner Literaturhaus

„Heimat“ lässt keinen kalt

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Die Autorin und Illustratorin Nora Krug hat ihr neues Werk „Heimat“ im Münchner Literaturhaus vorgestellt. 

Doris Dörrie bringt es auf den Punkt: „Es ist ein brandgefährliches Projekt, über die eigene Familie zu schreiben – vor allem im Zusammenhang mit dem Faschismus“, sagt die Filmemacherin im voll besetzten Literaturhaus. Nora Krug bleibt angenehm unaufgeregt: „Ich hatte kein Problem mit irgendeinem Inhalt.“ Die Autorin und Illustratorin ist auf Einladung der Literaturhandlung sowie des NS-Dokumentationszentrums nach München gekommen, um ihr neues, inhaltlich und visuell beeindruckendes Buch „Heimat“ vorzustellen. Dörrie moderiert den Abend mit einer gewinnenden Mischung aus Neugierde und Empathie.

Krug lebt seit mehr als 17 Jahren in den USA

„Wie kann man begreifen, wer man ist, wenn man nicht versteht, woher man kommt?“, war eine Ausgangsfrage, als Krug mit der Arbeit an ihrem Werk begann. Zwei Jahre dauerte allein die Recherche. Die Künstlerin, 1977 in Karlsruhe geboren, lebt seit mehr als 17 Jahren in New York, hat einen amerikanischen Juden geheiratet, mit ihm eine Familie gegründet. „Wenn man seine Heimat verlässt“, sagt sie, „spürt man sehr schnell, dass man nicht nur Repräsentant seiner selbst und seiner Familie ist, sondern auch seines Landes und dessen Geschichte.“

Das Buch handelt von privater Geschichte und von Zeitgeschichte

Im Zentrum von „Heimat“ stehen – neben Kindheit und Jugend der Autorin – Krugs Großvater und Onkel, der 18-jährig im Weltkrieg fiel. In einer aufregenden Mischung aus Illustrationen, Texten, Fotos, Nachdrucken von Schulheften, Arbeitsblättern, Dokumenten und Zeitungsartikeln spürt die Künstlerin der Rolle ihrer Vorfahren während der NS-Diktatur nach: Auf der Suche nach privaten Geschichten erzählt sie Zeitgeschichte. Zudem reflektiert sie ihr Leben als „heimwehkranke Auswanderin“ mit dem „Katalog deutscher Dinge“, in dem etwa der Wald, Hansaplast und die Wärmflasche aufgelistet werden.

„Heimat“ ist bemerkenswert. Ein Satz bleibt besonders in Erinnerung. Als Krug von ihrer Schulzeit erzählt, schreibt sie: „Gewissenhaft bereiteten wir Fragen für die alten Damen vor, die aus Amerika angereist kamen, um uns von den Lagern zu erzählen und vergaßen darüber ganz, uns gegenseitig Fragen zu unseren eigenen Großeltern zu stellen.“ Die eigene Verwandtschaft auf ihr Verhalten in der Nazizeit anzusprechen, sei ein „kollektives Tabu“. Ein Tabu, das Krug für sich gebrochen hat: „Man lebt besser, wenn man so viel wie möglich weiß.“

Informationen zum Buch:

Nora Krug: „Heimat. Ein deutsches Familienalbum“. Penguin Verlag, München, 288 Seiten; 28 Euro.

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