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Schostakowitschs siebte Symphonie in der Carnegie Hall zum Tourneeabschluss - vielleicht eines der besten Konzerte von Jansons und seinen BR-Symphonikern.  

Tournee durch Nordamerika

News-Blog: Tournee-Abschluss in der Carnegie Hall - ein Triumph

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München - Kultur-Redakteur Markus Thiel begleitet für den Münchner Merkur die BR-Symphoniker auf ihrer Nordamerika-Reise. Im Newsblog erhalten wir einen Einblick HINTER die Kulissen. 

  • Zehn Tage ist das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks mit seinem Chefdirigenten Mariss Jansons auf Nordamerika-Tournee.
  • Bei der Konzertreise stehen insgesamt sieben Konzerte in Washington, Chapel Hill, Montréal, Ann Arbor, Chicago und New York auf dem Programm.
  • Als Solist ist Violin-Star Leonidas Kavakos dabei. 

+++ Am Ende glitzern sogar in den Augen des Chefs Tränen, ebenso wie bei manchen Musikern. Schostakowitschs siebte Symphonie in der Carnegie Hall zum Tourneeabschluss - ein Triumph. Besser hätte man die Steigerungsdramaturgie dieser Reise nicht hinbekommen können. Eines der besten Konzerte mit Mariss Jansons und seinem BR-Symphonieorchester? Es scheint fast so. Klar, dass danach in den Manhattaner Bars unweit des Saales gebührend gefeiert wurde. Hier ein Fazit zur Tournee und dem New Yorker Finale von Markus Thiel.

+++ Ein Dolchstoß, jetzt auf der Zielgerade in New York? Das, was aus dem BR in die USA dringt, sorgt auf der letzten, so wichtigen, prestigeträchtigen Tourneestation für Irritation bis Ärger. Als Reaktion auf einen Bericht des Obersten Rechnungshofs kündigt der klamme Sender enorme Sparmaßnahmen an. "Es muss alles auf den Prüfstand", sagte Verwaltungsdirektor Albrecht Frenzel am Dienstag vor dem Haushaltsausschuss des Landtags. Das zielt möglicherweise auch auf die beiden Klangkörper, also die BR-Symphoniker und das Rundfunkorchester, sowie auf den BR-Chor. Wie das Orchester darauf reagiert, lesen sie hier.

Jubel auch in der New Yorker Carnegie Hall für Mariss Jansons und sein Orchester.

In New York heißt es beschwichtigend: alles nicht so gemeint. Hörfunkdirektor Martin Wagner, der gerade in den USA urlaubt und sich das erste Carnegie-Hall-Konzert seines Symphonieorchesters gönnt, lehnt in der Pause eine Kommentierung ab. Nur so viel: Er stehe zu seinem Wort - Bestandsgarantie für alle drei Klangkörper des Senders. Was freilich eine Frage nicht beantwortet: In welcher Form? Orchestermanager Nikolaus Pont ergänzt, dass die Tourneen unterm Strich kostendeckend seien. "Solche Reisen kosten den Gebührenzahler keinen Cent." Und dennoch: Da liegt jetzt ein Schatten auf der Tournee. Vielleicht fühlen sich für Musiker ja wie ihre Zugabe: "Wild Bears" von Elgar.

Es gibt auch sehr intime Momente - zum Beispiel mit Bratscher Werani

BRSO-Bratscher Klaus-Peter Werani gibt im Loft eines Musikverrückten ein Solo-Konzert.  

+++ Zwei Stunden Flug von Chicago nach New York, der Tross aufgeteilt auf mehrere Flieger - also keine besonderen Vorkommnisse? Weit gefehlt. Am Abend gibt Bratscher Klaus-Peter Werani einen Solo-Abend. Ein Orchestermitglied, das aus dem Rahmen fällt als Musikologe, Komponist und Spezialist für die Moderne. Im "Spectrum" unweit von Chinatown spielt er Zeitgenössisches, auch ein eigenes Werk. Magische intensive 90 Minuten in sehr intimen Rahmen. Aufführungsort ist ein Loft, das der Besitzer, ein Musikverrückter der Avantgarde, zur Verfügung stellt, auch wenn er gar nicht daheim ist, wie an diesem Abend. Man sitzt und lauscht den experimentellen, mit Elektronik und geräuschhaftem spielenden Werken in tiefen, etwas abgesessenen Ledermöbeln. Ein ganz neues, ganz anderes Tourerlebnis.  

+++ Ein Blick auf Twitter verrät, das Publikum in den USA wie Kanada ist begeistert von dem bayerischen Orchester. Unter dem Hashtag "BRSOtour" häufen sich die begeisterten Tweets. Auch die Kritiken in den Zeitung sind positiv.    

+++ Von Chapel Hill bis Chicago: Merkur-Redakteur Markus Thiel hat hier die bisherige Reise zusammengefasst.  

Gipfeltreffen der Superstars: Hausherr Riccardo Muti (r.), Chefdirigent des Chicago Symphony Orchestra, begrüßt seinen Kollegen Mariss Jansons. 

+++ Nach einer Busfahrt mit Hindernissen hat das BR-Symphonieorchester doch noch Chicago erreicht. Dort angekommen eine weitere Enttäuschung: Für weit über die Hälfte der Mitglieder sind die Zimmer nicht fertig. Also gleich in die Halle, Fräcke und Kleider werden schließlich mit den Instrumenten transportiert. Vor der Probe kommt es zum Gipfeltreffen der Superstars: Hausherr Riccardo Muti, Chefdirigent des Chicago Symphony Orchestra, begrüßt seinen Kollegen Mariss Jansons: "Ein Dirigent ist eine Katastrophe, zwei sind ein Desaster."

+++ Auch das noch: Bus-Panne mitten auf dem Highway Richtung Chicago. Eines von drei Fahrzeugen ist gestrandet. Wir hoffen auf Rettung durch die anderen - denn das Nachmittagskonzert rückt immer näher. Trompeter Martin Angerer nutzt die Zwangspause zum Üben.

Einer der beiden übrigen Busse nimmt die Gestrandeten auf. Es ist also nicht nötig, dass Geiger Tobias Steynmans und Pauker Raymond Curfs ihr Glück als Anhalter versuchen.

Bizarre Anreise: Pilot verfährt sich auf dem Rollfeld

+++ Einen solch bizarren Reisetag wie von Montreal nach Ann Arbor haben selbst altgediente Musiker noch nicht erlebt. Das berichtet unser Merkur-Korrespondet Markus Thiel. Erst blockieren die Behörden die Ausreise, dann verfährt sich der Pilot am Ankunftsflughafen auf dem Rollfeld. Doch damit nicht genug. Schließlich müssen die Musiker ihre Koffer noch selbst an der Maschine abholen und zu den Bussen neben der Maschine rollen. Die bringen dafür alle direkt ins Hotel.

+++ Endlich: Die US-Behörden gestatten die Weiterreise. Jetzt stehen die beiden stressigsten Tage auf dem Programm: Flug nach Ann Arbor, Konzert, fünfstündige Busfahrt nach Chicago. Dort steht ein Konzert am Nachmittag auf dem Programm.

+++ Lost on Montreal Airport: US-Behörden haben keine Infos zur Wiedereinreise in die Staaten. Das Orchester hängt am Ausreisezoll fest.

+++ "Den packen wir ein und nehmen ihn mit nach Hause", sagt Mariss Jansons begeistert. Er meint damit den Konzertsaal in der Maison symphonique de Montréal. Ein akustischer und visueller Wohlfühlsaal.

+++ Besonders heikel ist die Fracht von Bögen. Hintergrund: Das Washingtoner Artenschutzabkommen verbietet unter anderem die Verwendung von Elfenbein. Obwohl das BR-Orchester keine solchen Bögen mehr verwendet, müssen diese gesammelt und separat transportiert werden. Eine Transportfirma übernimmt das für die BRler. Auch wenn sich die Musiker dafür vorübergehend von ihren Lieblingen trennen müssen... 

Hartgekochte Eier in Plastik, was es alles gibt.

+++ Auch wenn das Hotelfrühstück einmal dürftiger ausfallen sollte, heißt das noch lange nicht, dass man sich die Stimmung vermiesen lässt. Die Orchestermusiker werden da schnell fündig...

Die Stimmung des Dirigenten Mariss Jansons wird immer besser

+++ Je länger die Tournee dauert, desto besser die Stimmung bei Chefdirigent Mariss Jansons. Nach dem Flug nach Montreal erzählt er von seinen Plänen. Dass er zum Beispiel mehr Oper machen möchte, im Juni leitet er in Amsterdam Tschaikowskys "Pique Dame", 2017 eine Premiere bei den Salzburger Festspielen. Und er schlägt einiges vor für das neue Konzertsaalgebäude am Münchner Ostbahnhof: einen Musikkindergarten, eine Videobibliothek, überhaupt viele Jugendprojekte. 2021 endet der jetzige Münchner Vertrag von Jansons, der Saal könnte 2022 erst fertig sein. Ob der 73-Jährige verlängert? Er lässt sich nicht aufs Glatteis führen: "Ich bin nicht davon überzeugt, dass ich noch in München bin, wenn der Saal fertig ist."

Auch in Chapel Hill reißt es alle vom Sessel. Oder lag's am Eishauch der Klimaanlage unterm Sitz?

+++ Ein gut 90-minütiger Charterflug, das ist erträglich. Und wie kommen die Instrumente von Chapel Hill, North Carolina, ins kanadische Montreal? Mit zwei imposanten Trucks. Das ist sicherer für das kostbare Arbeitsgerät. 14 Stunden Fahrt auf der Interstate 87 bedeutet das - und einen Tag ohne Konzert.  

+++ Auch in Chapel Hill hält es das ungewöhnlich jugendliche Publikum nach Mahlers fünfter Symphonie nicht auf den Sitzen. Und das weniger weil die Klimaanlage unter den Sesseln einen Eishauch zum Allerwertesten schickt.

+++ Die BR-Symphoniker selbst schicken per Twitter einen tollen Rundumblick aus dem Konzertsaal in Chapel Hill.

Ankunft an einem der ungewöhnlichsten Tournee-Orte: Chapel Hill

Der nächste Konzert-Ort: In Chapel Hill ist die älteste staatliche Universität der USA.  

+++ Eine der ungewöhnlichsten Tournee-Orte: Chapel Hill. Nur knapp 60.000 Einwohner, dafür ist dort die älteste staatliche Universität beheimatet. Und es handelt sich um eine finanziell sehr potente Stadt, die es sich leisten kann, Edel-Ensembles wie die BR-Symphoniker bei sich in der Memorial Hall auf dem Campus gastieren zu lassen.

Weiterflug nach Raleig - mit sieben Virus-Erkrankten. 

+++ Am Mittwochmittag steht die nächste Station an. Die BR-Symphoniker machen sich mit dem Flugzeug auf den Weg nach nach Raleigh zum Konzert in Chapel Hill. Es gibt allerdings schlechte Nachrichten: Sieben Orchester-Mitglieder sind an einem Magen-Darm-Virus erkrankt. Küsschen und Händeschütteln ab sofort untersagt. 

+++ Zum geglückten ersten Konzert am Dienstag in Washington können Sie hier den Bericht lesen

+++ Ein toller Tourneeauftakt: Standing Ovations für Mariss Jansons und sein Orchester nach dem ersten Konzert. Hier haben wir einen Eindruck von der Anspielprobe mit Mahlers fünfter Symphonie für Sie im Video.

+++ Ganz neues Gefühl für die BR-Musiker: Live-Polka im Studio nach einem Werbe-Interview über Faltencreme. Sehen Sie hier ein Video des Ständchens im Fernsehstudio.

Frühaufsteher: Die Blechbläser der Symphoniker im US-amerikanischen Frühstücksfernsehen.

+++ Amerika erwacht gleich mit Johann Strauß: Die Bläser des Orchesters sind zu Gast im Frühstücksfernsehen. Die Frühaufsteher sind (v.li.) Herbert Zimmermann, Carsten Duffin, Stefan Tischler, Uwe Schrodi und Martin Angerer.  

Obama konnte leider nicht zum Auftakt erscheinen

+++ Der erste Konzerttag der Tournee, der mit einer Bestätigung beginnt: Obama kommt nicht ins heutige Konzert. Was am Frühstückstisch mit Blick auf den hohen Gast bei der Konkurrenz zu Diskussionen führt: Mit welchem Politiker kann man sich schmücken, mit welchem nicht? Bei den Münchner Philharmonikern saß Wladimir Putin im Publikum.  

+++ Worauf freuen sich die Musiker am meisten? Kontrabassist und Orchestervorstand Heinrich Braun und Klarinettist Werner Mittelbach erzählen es uns im Video ganz unten.

+++ Als erste offizielle Amtshandlung - das Orchester bläst Amerika den Marsch - die Blechbläser der BR-Symphoniker sind am Dienstagmorgen (Ortszeit) zu Gast im Morgenmagazin eines TV-Senders.

Jetzt erst einmal den Jetlag verdauen: In Washington liegen die Zimmerschlüssel für die Orchester-Mitglieder bereit.

+++ Jetzt geht es los! Die Zimmerschlüssel am ersten Tournee-Ort Washington D.C. liegen bereit. Achteinhalb Stunden Flug ab Frankfurt für den Großteil des Orchesters sind geschafft, eine kleine Delegation kam direkt aus München. Der Montag ist dann Pausentag in der US-Hauptstadt inklusive Jetlagbehandlung.  

Folgen Sie unserem Kollegen auch auf Twitter: @MarkusThielNews

Markus Thiel begleitet das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks mit seinem Chefdirigenten Mariss Jansons auf einer Nordamerika-Reise.

Sechs Städte in zehn Tagen mit sieben Konzerten, das sind die „technischen Daten“ dieser Tournee. Derzeit befindet sich das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks mit seinem Chefdirigenten Mariss Jansons auf einer Nordamerika-Reise. Am späten Sonntagabend landete die weißblaue Delegation in Washington.

Gestartet wird der Konzertreigen im dortigen John F. Kennedy Center mit Erich Korngolds Violinkonzert in D-Dur und Gustav Mahlers fünfter Symphonie. Dann geht es weiter nach Chapel Hill, Montréal, Ann Arbor, Chicago und zuletzt für zwei Auftritte in die legendäre New Yorker Carnegie Hall. Als Solist ist Violin-Star Leonidas Kavakos dabei.

Wir begleiten das Orchester, und das nicht nur mit klassischen Zeitungsartikeln, sondern auch mit einem Online-Ticker, der laufend aktualisiert wird. An dieser Stelle finden Sie täglich Fotos von der Tournee, kurze Videos und Texte mit kleinen, manchmal vielleicht abseitigen, manchmal auch komischen Randaspekten. Mal sehen und hören, was auf dieser Reise so alles passiert...

Mit den BR-Symphonikern auf Tournee: Die Bilder von der Reise

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