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Stolz und glücklich sei er, mit diesem Orchester arbeiten zu dürfen, erklärte Mariss Jansons seinen Musikern vor der letzten Probe der Nordamerika-Tournee in der New Yorker Carnegie Hall.

Zwei Konzerte in der Carnegie Hall

BR-Symphoniker auf Nordamerika-Tour: Umjubeltes New Yorker Finale

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New York - Mit zwei umjubelten Abenden in der legendären Carnegie Hall endete die Tournee des BR-Symphonieorchesters.

Für Bernd Herber war das Konzert ein Finale in doppelter Hinsicht: Er verlässt bald die BR-Symphoniker.

Ein letztes Mal ist er am Mittwochabend durch die linke Tür auf diese Bühne gekommen. Hat in einen Saal geblickt mit seinen tiefen roten Samtsitzen und dem beigefarbenen Neobarock, der mehr ist als nur Abspielstätte, sondern Legende. Es ist ein Tourneefinale in doppelter Hinsicht für Bernd Herber, Mitglied der Ersten Geigen beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks und das wandelnde, so freundliche wie bescheidene Lexikon des Ensembles. Alles weiß er. Wann wer was und wo dirigiert hat. Vor allem: wann die Geburtstage im Orchester sind. Nun naht sein 65., was den baldigen Abschied vom Ensemble bedeutet. Einst hat er unter Chefdirigent Rafael Kubelik beim BR angefangen, nun hört Herber unter Mariss Jansons auf. Beide, so sagt er lächelnd, seien sich doch sehr ähnlich. „Von daher schließt sich für mich der Kreis.“

Carnegie Hall, das ist auch der planungstechnisch geschickt vorbereitete Höhepunkt dieser Tournee. Hier, wo die Last der Tradition und der internationalen Konkurrenz drückt, spielen die BR-Symphoniker frei, teilweise entfesselt. Im Korngold-Violinkonzert mit Leonidas Kavakos am ersten Abend gibt es zwar ein paar Irritationen, nach der Pause, bei Dvořáks Achter, kommt man als Zuhörer dafür ins Grübeln: Ob man das Stück jemals live so gut, so lustvoll in der Detailarbeit gehört hat? Es sind, natürlich nicht ohne Hintergedanken, die Schaustücke, die man mitgebracht hat. Am zweiten Abend ist das Schostakowitschs siebte Symphonie, die „Leningrader“ – nochmals ein Crescendo im Vergleich zum Dvořák. Eine große Flügeltür ist da aufgesprungen im Laufe dieser 80 Minuten. Und man schaut, vielmehr hört hinüber in eine andere Dimension von Intensität und Expressivität, die selbst dieses Orchester nicht immer erreicht. Nach dem Schlussakkord, so berichten es Mitglieder, hat Jansons Tränen in den Augen. Und auch bei manchem Musiker sieht man ein verdächtiges Glitzern.

Stolz und glücklich sei er, dass er mit diesem Orchester arbeiten dürfe, sagt der Chefdirigent in der letzten Probe. Und dies, man spürt es, ist weniger Floskel als vielmehr Liebesbeweis. „Ich habe so viele Komplimente von Zuhörern auf der Reise gehört, das ist fast ein bisschen peinlich“, gesteht er – um dann sein berühmtes jugendliches Grinsen aufzusetzen. „Aber gut, es macht auch Freude.“ Erst im Oktober wird Jansons zu seinem Ensemble zurückkehren. „Natürlich werde ich durch das Telefon alles wissen.“ Eingeweihte wissen, mit wie viel Arbeit das verbunden ist.

Beim Schlussjubel im ersten Konzert, der wie fast immer in Nordamerika im Stehen gespendet wird, können sich die Münchner übrigens auch auf mitgebrachte Fans stützen. 35 Mitglieder des Unterstützervereins, die „Freunde des Symponieorchesters“, haben eine Reise nach New York gebucht. Musiker werden gebeten, sich mit ihnen zu treffen, auch Händeschütteln mit Jansons ist eingeplant.

Trotz dieser Extra-Karten fällt auf: Die Säle sind an allen Reisestationen gut bis sehr gut gefüllt, aber nicht ausverkauft. Das liegt gewiss an Riesenhallen wie der in Ann Arbor. Aber vielleicht auch an einem gewissen Überangebot tourender Künstler, an den Kartenpreisen oder daran, dass man nicht mehr so häufig nach Nordamerika fliege und daher ein bisschen vom Radar gerutscht sei, wie ein Orchestermitglied mutmaßt.

Jetzt beim Zieleinlauf merkt man vielen die Erschöpfung an. Kurz vor der Nordamerika-Reise mit ihren vielen Flügen, Ortswechseln und einer langen Busfahrt inklusive Hindernissen war da schließlich noch die Europatour. „Ich freu’ mich auf daheim“ – ein Satz, den man nicht nur einmal hört. Was nicht heißt, dass man sich auf Stand-by-Musizieren zurückfallen lässt, im Gegenteil. Mariss Jansons lässt das Puzzeln nicht. Bei der Anspielprobe in New York nimmt er sich zum Beispiel nochmals den Dvořák vor. „Es gibt eine Gefahr, dass man auf einer Tournee etwas automatisch spielt“, sagt er seinem Ensemble. „Das wollen wir nicht.“ Überhaupt: So gut aufgelegt, so gesund haben seine Musiker ihn auf Reisen lange nicht erlebt. Nach Schostakowitschs Siebter in Chicago meint der Chef grinsend hinter der Bühne, er könne gleich nochmals. Worauf entgegnet wird: „Das sagen Männer immer.“

Später in New York werden die klingenden Gastgeschenke nochmals im besten Licht präsentiert. Die Akustik der Carnegie Hall gibt den Interpretationen Saft, polstert sie mit Nachhall, ohne dass irgendetwas verwischen würde. „Man hört hier Instrumente gut, die man als Zuhörer gar nicht sieht“, sagt Klarinettist Stefan Schilling. Der Tour-Erfolg wird anschließend in verschiedenen Gruppen gefeiert, die Heimflüge sind erst tags darauf am Nachmittag. Zurück in eine Heimat geht es, wo ein Alltag wartet, für den es Nachwirkungen der US-Euphorie dringend braucht. Eine Spardebatte wartet da, in die sich gewiss auch dieses Aushängeschild des BR einbringen wird und muss. Und dazu passt ganz wunderbar das nächste Münchner Programm. Aufgeführt wird am 5., 6. und 7. Mai unter anderem Brahms’ „Schicksalslied“.

Verfolgen Sie hier noch einmal die Reise des Orchesters mit vielen Hintergrundinfos, Bildern und Videos im News-Blog zum Nachlesen.

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