Nordische Glut

- Grieg stand im Zentrum des Geschehens, als das Rosamunde Quartett im Münchner Herkulessaal die Zuhörer in seinen Bann zog. Nach einem anfangs leicht zerflatternden, vom Primgeiger nicht lupenrein gemeisterten Start mit Haydn (Quartett G-Dur op. 77 Nr. 1), bei dem die ernste Ruhe des Adagio mit in der Tiefe grundierendem Cello oder auch das rhythmisch kapriziöse Presto des Menuetts gleichwohl gefielen, begann die Reise ins Innere. Sie endete im schwebenden Pianissimo des Schlussakkords von Schostakowitschs F-Dur Quartett op. 73.

Mit Leidenschaft intonierten Andreas Reiner, Simon Fordham (Violine), Helmut Nicolai (Viola) und Anja Lechner (Cello) schon den Andante-Beginn von Griegs rhapsodischem Werk. Mit düsteren Farben, die Ausdrucksvielfalt plastisch hervorhebend, malten sie eine zerklüftete Seelenlandschaft. In der vom Cello angestimmten Romanze wechselte der Ton immer wieder zum aufgewühlten Allegro agitato, bevor die vier im Synkopengestrüpp des Intermezzos voranstampften. Im harmonisch kühnen Finale entfachte das Rosamunde Quartett noch einmal nordische Glut.<BR><BR>Auch bei Schostakowitsch offenbarten die vier Musici eine sensible Balance in der Führung der Stimmen, ein waches Reagieren, einen starken Ausdruckswillen und eine Intensität, die den Zuhörer nicht losließ: wie im zweiten Satz, der sich zuletzt fast somnambul verliert. Beklemmend wirkte das Adagio, in dem die Stimmen, einzeln klagend, in ihrer Melancholie vereinsamten und der Satz sich förmlich auszehrte. Begeisterter Beifall schon nach Grieg, Bravorufe nach Schostakowitsch und eine Zugabe.<BR><BR><BR>

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