Nordische Kombination

- Skandinaviens Bühnen - wie leer gefegt. Denn was dort wagnertauglich ist, wurde im Sammelpack an die Bayerische Staatsoper exportiert, deren "Rheingold"-Wiederaufnahme mit einer fast komplett neuen, sehr nordischen Kombination aufwartete: Juha Uusitalo (Donner), Jon Ketilsson (Froh), Jorma Silvasti (Loge), Jyrki Korhonen (Fasolt), Bjarni Thor Kristinsson (Fafner) - Namen, die nach Wäldern, Saunen und Elchen schmecken und mancher Partie, immerhin, einen Qualitätssprung bescherten.

<P>Kristinsson und Korhonen etwa verstanden sich nicht als brachiale Riesengebirge, eröffneten Fafner und Fasolt feine Differenzierungen - wobei der hervorragende Jyrki Korhonen wie eine Vokalkopie seines großen finnischen Landsmannes Matti Salminen klang. Aber der Teamtausch, der auch Unwägbarkeiten birgt, rächte sich: Nur schwer kam dieses "Rheingold" ins Fließen - erst dann, als Alberich genug nach den Goldfischen gepatscht, sich das Stück vom Boulevard zur Tragödie bewegt hatte und Komödiantenroutine nicht mehr gefragt war. Auch Zubin Mehta und das solide spielende Staatsorchester lieferten erst in der zweiten Hälfte die notwendige Intensität.</P><P>Doch das Problem ist grundsätzlicher Art: Herbert Wernickes letzte Inszenierung mag mit kleinen Gesten und Querverweisen überraschen, die szenischen Mittel freilich verpuffen bald. Der penibel nachgepuzzelte Bayreuther Zuschauerraum, das Aquarium, die Filmeinspielungen: Ideen, hübsch bis imponierend, aber nie zwingend - und daher unmotiviert, allenfalls illustrierend. Dieses Rampentheater verlangt nach starken Darstellern, nach Jorma Silvasti zum Beispiel, bei dessen nie überdrehtem Loge stets etwas Lehá´r mitschwang. Oder nach Franz-Josef Kapellmann, der schon seit der Premiere dabei ist und dessen Alberich der einzige Normalo unter gezierten Wichtigtuern scheint. Sein Gegenspieler, der neue Wotan Alan Titus, muss noch in die Produktion hineinwachsen. Zu sehr verließ er sich auf wattierten Schönklang und dröhnend ausgestellte Tonsäulen, agierte befangener als in seinem fulminanten Bayreuther "Ring"- Durchgang Anno 2003.</P><P>Das "Rheingold" ein Konversationsstück? Titus & Co. (Ausnahme: Kapellmann und Ulrich Reß als Mime) kümmerten sich kaum darum, ließen dafür manch Besucher verzweifelt nach Übertiteln fahnden. Vielleicht war's ja Finnisch.</P>

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