Nostalgie ohne Paprika

- Es war so etwas wie ein Tripel-Nostalgie-Ereignis in Münchens Komödie im Bayerischen Hof, die Premiere von Hugo Hartungs "Ich denke oft an Piroschka". Wenn sich der Autor in diesem, ja schon Kult-Lustspiel auf eine eigene süße Puszta-Romanze bezieht, so schwelgte man im Parkett in Wonne-Erinnerungen an die Verfilmung 1955 mit Liselotte Pulver und Gunnar Möller. Just der nun - damals Student Andreas - ist jetzt Erzähler und Sympatho-Faktotum Sándor. Und wer verteilt zum Begeisterungs-Applaus die Blumen an die Schauspieler ? Ja! "Piroschka"-Lilo, fast so jung wie vor 48 Jahren.

<P>An manchen Menschen geht das Alter eben lieblich spurenlos vorüber - an manchen Stücken leider nicht. Oder könnte es an der Regie gelegen haben? Peter M. Preissler hat zweifellos das Risiko gespürt bei der Geschichte aus den 20er-Jahren: hauchkurz & keusche Sommerurlaubs-Liebe zwischen deutschem "Stúdent Andy" und "Piri", der Bahnwärterstochter von Hódemezövásárhelykutasi-puszta oder so ähnlich. Und hat das Stück behutsam - wahrscheinlich auch ganz richtig - in seiner Zeit belassen (Kostüme stilgerecht von Roswitha Egger). Museum kann ja so schön sein. Aber auch da gehört mal der Staubsauger durch. Die einzige Figur, wo der Ton angenehm stimmt, ist Heide Hoffmanns Greta, die städtisch gewandte Rivalin.</P><P>Nicht, dass Yvonne Ruprecht und Arthur Klemt nicht gut spielen würden. Die beiden sind hundertprozentig dabei. Halten die Spannung in dieser umständlich, nur aus pubertärer Ungeschicklichkeit ewig nicht zu Potte kommenden Liebesangelegenheit. Und da gibt's wirklich auch ganz herzensamüsante Momente: in dem Plattensee-Hotelzimmer von Thomas Pekny, der mit Holzrahmen, Segeltuchrollo und massig Sonnenblumen überhaupt hinreißende Räume gezaubert hat, zum Beispiel das Dinner (mit Greta) zu dritt und Piris Verführungsattacke mit einem "Nachtisch-Csádás".</P><P>Aber meistens ist halt das neckende Spiel für den Betrachter 2003 ein paar Intensitätsgrade zu heftig ausgestellt. Dito der "ungá´rische" Akzent, den nur die Ruprecht einigermaßen flott über die Zunge kriegt. Bei der älteren Garde: Renate Bopp, Ursula Erber, Horst Schäfer und Walter Skotton als Väter, Mütter, Dienstmädchen, die's noch können müsste, ist das wie Stelzenlaufen über Kopfsteinpflaster. Wenn schon "Gäh-sindel" und "Gäh-schichte", dann bitte mit Paprika.<BR><BR></P>

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