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Vor der Trennung (v. li.): Martin Gretschmann, Markus und Micha Acher.

In der Alten Kongresshalle

The Notwist: Auf der Bühne unschlagbar

München - The Notwist machten für zwei Abende in Münchens Alter Kongresshalle Station – ohne Martin Gretschmann, der die Band verlassen hat.

Etwa zur gleichen Zeit, als sich die üblichen Verdächtigen in Berlin gegenseitig die Echos zuschoben, bat die wichtigste deutsche Band in München zum ersten von zwei ausverkauften Heimspielen. The Notwist wählten mit der Alten Kongresshalle eine äußerst passende Kulisse. Deren modernisiertes Fünfzigerjahre-Interieur zeigte auch Uneingeweihten, dass hier ein Popkonzert aus dem Grenzbereich zur ernsthaften Musik anstand. Wobei bei dieser Band kaum von „Uneingeweihten“ die Rede sein kann. Man kennt sich – die meisten jedenfalls.

Nun kamen The Notwist mit der Instrumental-Platte „The Messier Objects“ im Gepäck, was man dem ersten Abend allerdings kaum anmerkte. Zu erleben gab’s ein „Greatest Hits“-Programm, gewürzt mit Raritäten. „My Faults“ vom 1995er-Album „12“ war etwa so ein Leckerbissen. Rau, rockig und vorangetrieben von einem gnadenlos guten Andi Haberl am Schlagzeug zeigten The Notwist eine wichtige Facette ihrer vielfältigen musikalischen Wurzeln – und auch, wohin die Reise ging.

Denn prägend für den Klang war eine Personalie, die mit keiner Silbe Erwähnung fand – aber natürlich augen- und ohrenfällig war: Martin Gretschmann, bislang zuständig für die „Tronic“ in „Indietronic“, stand nicht auf der Bühne. „Martin hat die Band zum Jahreswechsel verlassen und ist bei dieser Tour nicht mehr dabei“, so das Management auf Anfrage. Vertreten wird er von Cico Beck.

Dieser versuchte gar nicht erst, Gretschmanns Sound zu imitieren, sondern fügte gewitzt eine analoge Seite hinzu. Wo Gretschmanns computergenerierte Beats kristalldigital flirrten und knusperten, griff der Multiinstrumentalist zu Akustik- und E-Gitarre, zu Schlagwerk, Keyboards oder auch mal zu Glockenketten. Verstärkt wurden Markus (Gitarre, Gesang) und Micha Acher (Bass), Andi Haberl (Schlagzeug, Gesang), Max Punktezahl (Gitarre, Keyboard), Karl Ivar Refseth (Vibraphon) von einem geschickt eingesetzten dreiköpfigen Bläsersatz, der altbekannten Nummern jazzige Wärme hinzufügte.

Klar, Gretschmanns geniales Geknister fehlte, wobei es die Truppe durchaus auch ohne ihn versteht, mehrminütige Minimal-Techno-Remixe ihrer Songs von der Bühne zu jagen. Notwist klingen eben nach Notwist und bleiben eine der besten Live-Bands, die Deutschland zu bieten hat.

Christoph Ulrich

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