NS-Dokumentationszentrum, München
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Im Untergeschoss gibt es Lernräume, Saal und Laden.
NS-Dokumentationszentrum, München
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Das Treppenhaus ist luftig, weit und einladend.
NS-Dokumentationszentrum, München
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Die speziellen Fensterbänder öffnen den Bau.
NS-Dokumentationszentrum, München
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Blick vom Königsplatz auf das neue NS-Dokumentationszentrum, links davon das Gebäude der Musikhochschule, das in der Nazizeit als „Führerbau“ bezeichnet wurde.
NS-Dokumentationszentrum, München
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NS-Dokumentationszentrum, München
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Blick vom NS-Dokumentationszentrum auf den Königsplatz mit rechts der Glyptothek, links den Antikensammlungen und in der Mitte den Propyläen, dahinter das Lenbachhaus; vorne liegt das Fundament des nördlichen NS-„Ehrentempels“.

Architektur-Kritik

NS-Dokumentationszentrum: So sieht es innen aus 

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München - Der Münchner Merkur hat sich vor der Eröffnung das NS-Dokumentationszentrums in München angesehen. Eine Einschätzung zur Architektur und der stadtgestalterischen Einbettung.

Mit dem Bau des NS-Dokumentationszentrums ist in München nicht nur nach beschämend langer Zeit ein Lern- und Erinnerungsort zur Geschichte des Nationalsozialismus vor, während und nach der Zeit der „Hauptstadt der Bewegung“ entstanden (Einweihung am 30. April). Es hat sich außerdem die urbane Landschaft vom Karolinen- über den Königs- bis hin zum Museumsplatz endlich in eine historisch-ästhetisch anspruchsvolle und kluge Aussage verwandelt. Münchner und europäische Geschichte ballt sich hier exemplarisch: Stadterweiterung im 19. Jahrhundert, Wertschätzung von neuer Kunst und Antike sowie bürgerlicher Weltläufigkeit; ab den Dreißigerjahren des 20. Jahrhunderts Okkupation durch die NS-Propaganda und Umformung (bei Teilzerstörung) zu einem Hass-Ort, der sich gegen künstlich aufgebaute „Feinde“ richtete; ab Kriegsende halb Gedenk-, halb Verdrängungsort, städtebaulich ziemlich missachtet, deshalb im Grunde ein passendes Symbol für die Haltung der Stadtpolitik, nun lieber nur noch als „Weltstadt mit Herz“ gelten zu wollen.

Im NS-Dokumentationszentrum haben sich die Architekten jeglichen Schnickschnack gespart

Jetzt zu Beginn des 21. Jahrhunderts manifestiert sich baulich die lange, tapfer durchgehaltene Arbeit an der Überzeugung, dass genau an dieser urbanen Stelle prominent platziert, gut sichtbar, also keinesfalls versteckt ein NS-Dokuzentrum zu stehen habe. Der 2008 ausgelobte Architekturwettbewerb unter 50 EU- und zehn internationalen Teilnehmern forderte denn auch ausdrücklich, „die Erinnerung an die Zeit und Geschichte des Nationalsozialismus am Ort der NS-Bürokratie zu verankern“. Betont wurde darüber hinaus: „Die Architektur des Gebäudes und die Gestalt des Außenraumes sollen den fundamentalen Bruch mit der Geschichte des Standortes und den benachbarten Bauten aus der NS-Zeit eindrücklich kenntlich machen.“

Das ist dem ersten Preisträger, dem Berliner Büro „Georg Scheel Wetzel Architekten“, eindrucksvoll gelungen. Dessen Gebäude, ein weißer Würfel mit einer Kantenlänge von gut 22 Metern, hält bewundernswert die Balance auf dem Grat zwischen „zu unscheinbar“ und „zu aufdringlich“, was das Umfeld angeht. Im Inneren scheint es ähnlich gut gelungen zu sein, soweit das jetzt ohne Ausstellungen zu beurteilen ist. Das Team hat sich vom Büro-Stock (fünftes Obergeschoss) bis zum zweiten Untergeschoss mit dem Vortragssaal jeglichen Schnickschnack gespart. Dafür ergibt sich oft ein ausgesprochen luftiger Raumeindruck. Alles ist weiß gehalten, aber nicht als schickes Interieur-Getue, sondern aus Bescheidenheit, die Besuchern und Dokumentation den Vortritt lassen möchte. Zu dieser entspannten Haltung tragen das angenehme Treppenhaus und die teils zweigeschossigen Fenster bei, die wunderschöne und/ oder geschichtsträchtige Ausblicke bieten.

Fenster des Dokuzentrums fungieren als das Vitrinen-Glas für originale "Ausstellungsstücke"

Das Fenstersystem markiert die Passage-Zone zwischen drinnen und draußen. Das Architektenteam Bettina Georg, Tobias Scheel und Simon Wetzel zerlegt die versetzten, sogar ums Eck gehenden Glasfronten mit Beton-Fenstersprossen in hohe vertikale, schmale Bänder. Dadurch bewahren die drei dem Kubus die Magie eines Würfel-Körpers. Zugleich lockern sie die Hermetik der mächtigen Wandflächen auf. Es wird eine dezidiert moderne Architektursprache gesprochen, die sich selbstbewusst, nicht jedoch auftrumpfend zum Klassizismus am Königs- und zu den historistischen Bauten am Karolinenplatz sowie zu den neoklassizistischen Gebäuden aus der NS-Zeit äußert. Und einen schönen Gruß schickt zum Kollegen auf der anderen Seites des Platzes von Ludwig I., zu Norman Fosters Lenbachhaus-Anbau von 2013.

All diese steinernen Zeitzeugen sind gebaute Geschichte und erzählen von der Geschichte. Für das NS-Dokumentationszentrum besonders wichtig sind naturgemäß die noch existenten Bauten der NSDAP: die ganz nahe liegenden Fundamente der sogenannten „Ehrentempel“, bei denen die Nazis ihre Propaganda-Show für die „Gefallenen“ des Hitler-Putschs veranstalteten, der „Führerbau“ (heute Musikhochschule), und der „Verwaltungsbau“; heute nutzen hier die Abguss-Sammlung, das Zentralinstitut für Kunstgeschichte und andere Sammlungen/ Museen Räume. Die Fenster des Dokuzentrums fungieren also gewissermaßen als das Vitrinen-Glas für diese originalen „Ausstellungsstücke“.

Auch wer sich dem weißen Haus von unterschiedlichen Seiten nähert, erkennt den dialogischen Charakter des Entwurfs. Ermöglicht wird er durch die solitäre Stellung, die durch eine große Terrasse und dezenten Baum-Schmuck („Weidinger Landschaftsarchitekten“) unterstützt wird. So bekommt der Würfel, der auf dem Grund des „Braunen Hauses“ (Parteizentrale der NSDAP, vorher Palais Barlow) positioniert wurde, die Kraft, Blick-und damit Aufmerksamkeitslinien zu bündeln. Vom Königsplatz aus funktioniert das am besten. Das hat zwei wunderbare Effekte: Der Platz bekommt nach Osten hin seinen städtebaulich notwendigen Halt. Und jeder Mensch, der sich hier aufhält, nimmt ein Mahnmal wahr – eines, das lebendig und schön ist.

Von Simone Dattenberger

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