NS-Dokuzentrum im Schneckentempo

- Ein Aufschrei ging international durch die Öffentlichkeit, als vor einigen Jahren auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz ein Supermarkt entstehen sollte. Der Ort, wo in München zwischen Königs- und Karolinenplatz die NSDAP-Parteizentrale "Braunes Haus" gestanden hat, ist heute Grünfläche. Nichts anderes sei jemals mit ihm anzufangen, als genau dort Münchens NS-Dokumentationszentrum zu errichten, erklärte der CSU-Landtagsabgeordnete Ludwig Spaenle.

<P>Und das sei nur das schwächere Argument in der Debatte um den Standort: "Die schreckliche Authentizität des historischen Unorts" rechtfertige ihn. Oder: "Wie beim Jüdischen Museum in Berlin die Architektur, so soll beim NS-Dokuzentrum in München der Ort Programm sein", ergänzte CSU-Stadtrat Marian Offmann. <BR><BR>Er und Spaenle informierten jetzt die Presse, dass die CSU-Fraktionen in Stadtrat und Landtag sich auf das Grundstück des "Braunen Hauses" geeinigt haben und nun "mit einer gewissen Ungeduld" die Verwirklichung des Dokuzentrums vorantreiben wollen. Im Stadtrat stehe eine Mehrheit hinter diesem Standort, die Grünen haben sich auch längst dafür ausgesprochen, aber: In der jüngsten, nichtöffentlichen Sitzung des Kulturausschusses sei es aus "nicht nachvollziehbaren Gründen" zu keiner Entscheidung gekommen. "Probleme machen mir taktische Überlegungen in dieser wichtigen Sache", gab Offmann zu, ohne diese genauer benennen zu wollen.<BR><BR>Woran es jedenfalls schon seit Monaten fehlt, ist eine Stellungnahme von Kultusministerin Monika Hohlmeier (CSU). Da das Grundstück dem Freistaat gehört, ist sie in der Sache zuständig. Spaenle sieht sich nun mit der Aufgabe konfrontiert, parteiintern dem Vorhaben Schwung zu verleihen. Nach anfänglichen Querelen um die Besetzung der Gremien - des Kuratoriums, des wissenschaftlichen und politischen Beirats - verläuft die Umsetzung des NS-Dokuzentrums auch jetzt allenfalls im Schneckentempo. Dass sich der Bund nicht nur finanziell, sondern auch konzeptionell beteiligt und das Nürnberger Parteitagsgelände als Modell dienen soll, dafür plädiert die CSU.<BR></P>

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